Der „Tau des Meeres“ – Rosmarin: ein mediterraner Kräuterriese

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Es ist schon seltsam, dass eines unserer heute am bekanntesten mediterranen Kräuter, eben der Rosmarin, erst recht spät hoch geachtet wurde. Und das trotz der Reichsgüterverordnung Karls des Großen, der die Kultivierung von „Rosmarius officinalis“ in den Klostergärten seines Reiches angeordnet hat. Erst im 13./14. Jahrhundert wird seine Würzkraft entdeckt. Gerade einmal fünf Rezepte nennt das italienische Kochbuch (Liber de Coquina).

Hildegard von Bingen verschweigt ihn. Die Quellen der Klostermedizin sprudeln nicht. Wir Heutigen müssen uns ob dieses Sachverhalts die Augen reiben.

Ein betörender Duft entströmt dem „TAU DES MEERES“, der sich wohlfühlt in bewegter, feuchter Luft, der die Sonne liebt und wasserdurchlässige Böden: die Küsten des „Mare nostrum“, das sich derzeit aus menschengemachten Gründen negativ in den Medien wieder findet. Seit der Antike wird überliefert, dass Segler auf dem Mittelmeer, noch ehe sie es sehen konnten, die Nähe des Landes riechen konnten, wenn ihnen der ablandige Wind den Rosmarinduft zutrug. Das ist seine Heimat – da ist er zu Haus und nicht bei uns, im Gebiet nördlich der Alpen mit seinen festen Lehmböden und seinem ganz anderen Klima. Nichts zu spüren von Leichtigkeit. Ich habe noch keinen Rosmarin „gut über den Winter gebracht“.

Weit bekannter als seine Heilwirkung oder seine Verwendung als Würzmittel war seine magisch mythische Bedeutung. So findet sich die Überlieferung: „Der Brautkranz gewunden aus Rosmarin, erhält die Liebe ewig grün.“ Aber auch der Text von Georg Trakl: „Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau // Im Rosmarin hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen. // Spitäler wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen. Gebein steigt aus dem Erdbegräbnis morsch und grau.“ Shakespeare lässt in Hamlet Ophelia zum Besten geben: „… lieber Herr, gedenke meiner. Und da ist Rosmarin, das ist für die Treue.“  Leben, Liebe, Treue und Tod – alles ist vom Rosmarin umgarnt, umkränzt.

„Ungarisch Wasser“, aus Rosmarinblüten und Alkohol destilliert, versprach ewige Jugend. Alle Falten und Runzeln wurden durch dies Elixier glattgebügelt. „Klosterfrau Melissengeist“ ist ohne Rosmarin nur die Hälfte wert.

Vom Stiefkind der Klosterheilkunde hat sich Rosmarin zu einem der Hauptakteure der Phytotherapie entwickelt. Rosmarin hilft, in vielerlei Art und Weise, das Leben zu erleichtern. Er verleiht unseren Mahlzeiten einen guten Geschmack. Aber er kann bedeutend mehr.

Die Alzheimerforschung hat Wirkstoffe ausgemacht die hilfreich sein können, um das Leiden zu lindern. Bakterien und Viren und … und … sind nicht gut gelitten, wenn unser Körper dank dieses Kräutlein gestärkt und gegen sie gefeit ist. Es zentriert, beruhigt, hält uns wach und hilft unserem Herzen. Rosmarin verhindert den Abbau von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der im Gehirn für die Vermittlung von Botschaften notwendig ist und hält uns damit geistig rege. Rosmarin ist hochwirksamer „Rostschutz“ für unser Leitungssystem. Darüber hinaus steigert er den Blutdruck und stimuliert unseren Kreislauf. Stimmungsfördernd und belebend sind die kleinen feinen Blätter. Rosmarinwein (150 g in einem Liter gutem Rotwein; 14 Tage zum Ausziehen angesetzt) stärkt das Herz und das allgemeine Wohlbefinden. Und eine Kur damit: pflanzliches Viagra pur! Dieser „Druiden-Trunk“ hat es in sich! Ätherisches Rosmarin-Öl verhindert das Umkippen, Ranzig-werden von Ölen und Salben. Aber Achtung: dieses Öl wirkt in der Schwangerschaft abortiv.

Und in der Küche: Rosmarin-Bratkartoffel mit einem Lorbeerblatt – ein Genuss! Auf los geht’s los!

Rozmarin

Kraut des Monats: Die „Von Lauch“!

Pater-Gerhard-Kurse2 aus dieser wahrhaft „adligen“ Familie will ich Ihnen heute näher bringen. Die beiden finden sich ganz oben auf meiner pflanzlichen Wirksamkeitliste der heilsamen Nahrungsmittel. Es sind die „Edlen“ mit den Vornamen „Knob-“ und „Bär-„. Allium sativum und Allium ursinum. Es ist nun überall so weit. Das zarte Grün des Bärlauchs ist durch das alte Laub der Buchen gestoßen. Eine wahre Fülle an gesundem Kraut ist nun da. Für uns da. Der typische Lauchduft weht erst dann durch die Botanik, wenn ich mit der Ernte beginne. Und mit diesem heimischen wilden Lauch lassen sich wirklich Bärenkräfte wecken, die in einem stecken. Wer an Eisenmangel leidet hat mit diesem Kraut einen wirkmächtigen Einschleuser gefunden. Dieser Nutzen findet sich auch in der Kulturvariante Knoblauch, der aus Asien und dem Mittelmeerraum zu uns gekommen ist. Beide schützen zudem unser Herz, forcieren unsere Abwehrkräfte und wirken antiseptisch und beugen unerwünschten Kalkablagerungen vor. Und nicht zu vergessen: Sie verschaffen uns allen Platz in Masse! Je mehr diese Kräutlein duften – stinken – desto wirksamer sind sie für uns! Grüner Tee, Milch, Petersilie und Koriander haben die Fähigkeit diesen Geruch zumindest ein wenig zu unterdrücken.  Nun aber guten Appetit und gesunden Genuss.

Gott befohlen und herzlichst, Ihr Pater Gerhard