Basilikum – mein Kraut des Monats

 

Sommer, Sonne, Siesta und Fiesta. Dolcefarniente – süßes Nichtstun.  Erinnerungen an einen Urlaub im Land, in dem nicht nur „die Zitronen blühen“. Vollreife rote Tomaten, weiße Mozzarella, gutes Öl, bester Essig, Salz, Pfeffer und das Grün und der Geschmack von Basilikum. Das Aroma und die Nationalfarben Italiens tun sich auf. Schon sind wir mitten im Leben und ganz bei unserem Thema.

Basilikum, „Kraut des Königs“, „Königsbalsam“, „herrschaftliches Kraut“, „Balsamkraut“ und … viele Namen kennt Ocimum basilicum, der wohlschmeckende und so gesunde Lippenblütler. „Basilikos“  bedeutet „königlich“, wohl wegen des würzigen, edlen Duftes, und „Ocimum“  leitet sich vom Griechischen „ozein“ für „riechen“ ab. Nutzen Sie Ihre „Herrgotts-Gabeln“ (Ihre Hand samt den Fingern), kosen Sie das zarte Laub, schließen Sie die Augen, nehmen Sie den Duft in sich auf. Das Aroma ist überwältigend. Ich spreche dann immer von einer „vegetarischen Schlachtplatte“, da das Geruchserlebnis wahrhaftig dem einer frischen Blutwurst entspricht – und das vollkommen vegan!

Etwa sechzig Arten gehören zu dieser Gattung. Ursprünglich hatten sie im östlichen Mittelmeerraum, den gemäßigten Zonen Afrikas und Südamerikas ihre Heimat. Heute werden die gängigsten Sorten rund um den Globus angebaut. Uns betören die Aromen, die frische Salate, Weichkäse, Fisch, Gemüse und Suppen aufpeppen. Das Kraut hilft uns Salz zu sparen! Wunderbar schmecken Genoveser-Basilikum, die rotblättrigen Sorten, Zitronen-, Zimt-, Thai-  „Heiliges“ Basilikum und …

Eigentlich einjährig, gibt es einige Arten, die ausdauernd, aber eben nicht winterhart sind.

Seit 3000 Jahren nutzen wir Menschen Basilikum zum Zweck der Ölgewinnung, als Gemüse, Gewürz, Zierpflanze, als heilmächtiges Kraut aus Gottes grüner Apotheke, dem auch liebes- und luststeigernde Wirkung nachgesagt wird.

Die darin enthaltenen ätherischen Öle, Vitamine, Makro- und Mikronährstoffe bewerkstelligen, dass Basilikum verdauungsfördernd, appetitanregend, hustenstillend, nervenberuhigend, schlafanbahnend, potenzstärkend, erotisierend und milchvermehrend wirkt. Auch als „Rostschutzmittel für unser Leitungssystem“ (Antioxidans) tut es seinen guten Dienst.

Hildegard von Bingen berichtet in ihrer „Physica“ (1-230):Basilikum ist kalt. Aber ein Mensch, der an seiner Zunge die Lähmung hat, so dass er nicht sprechen kann, der lege Basilikum unter seine Zunge, und er wird die Sprache wiedererlangen. Aber auch wer starke Fieber hat …  der koche Basilikum in Wein und gebe Honig bei, und er seihe das, und er trinke das oft nüchtern und nach dem Abendessen, und die Fieber in ihm werden weichen“

Tatsache ist, dass Basilikumwein alten, verhärteten Schleim löst. Basilikum – getrocknet und gerebbelt – ist eben deswegen wichtiger Bestandteil vieler Hustenteemischungen.

Übrigens: Ein Topf Basilikum auf der Fensterbank oder dem Gartentisch macht diesen Raum für lästige Insekten aller Art ungemütlich. Das zerquetschte Kraut, direkt auf Insektenstiche oder Wunden aufgetragen lindert wie Spitzwegerich den Juckreiz und reduziert die Gefahr einer Entzündung.

Eine letzte Empfehlung meinerseits zu diesem Kraut: Ersetzen Sie im eingangs genannten deutsch-italienischen Nationalgericht die weiße, fade, nach nichts schmeckende Masse durch dünn aufgeschnittenen Limburger, Romadur, Backsteinkäse oder Weißlacker. Ihre Geschmacksnerven werden es Ihnen danken.

Gott befohlen und herzlichst Ihr Pater Gerhard