Mein Mai-Kraut: Die Weberkarde

Wild und bewehrt kommt sie uns entgegen, die „Wilde Karde“ (Dipsacus fullonum / Dipsacus sylvestris). Der Name „Dipsacus“ kommt aus dem griechischen „dipsa“ und meint „Durst“. Nach einem Regenguss sammelt sich in den Trichtern der Stängelblätter Wasser. Labsal für Vögel oder durstige Wanderer. Zweijährig ist diese krautige Pflanze. Mannshoch mit stachligen Stängel und über und über mit spitzen, wehrhaften Spitzen übersät – so prägt sie sich uns ein. Die Grundblätter sind kurzgestielt und in einer Rosette angeordnet. Die kreuzgegenständigen Stängelblätter sind in der Basis paarweise zusammengewachsen und am Rand gekerbt. Die „Weber-Karde“ enthält, für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen, das Glykosid Scabiosid, Terpene, Kaffeesäureverbindungen, organische Säuren, Glucoside und Saponine.

In der Antike und im Mittelalter wurden Zubereitungen aus der Wurzel der Karde äußerlich bei Schrunden und Warzen verwendet. Das Wasser, das die Karde zum Wohl der Wanderer in ihren Blattkelchen sammelt, galt als Schönheits-Elixier erster Wahl! Die Frau von Welt nutzte es äußerlich als Wundertonikum für eine glatte Haut.  In der Volksheilkunde wird die Wurzel gegen Gelbsucht und Leberbeschwerden, Magenkrankheiten, kleine Wunden, Gerstenkörner, Fisteln, Hautflechten und Nagelgeschwüre empfohlen. Nicht nur die Wurzel, nein, auch die wehrhaften Blätter wurden bei einer Vielzahl von Beschwerden verwendet. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurden Kardenblätter zusammen mit Essig auf den Bauch gelegt, um Durchfälle zu behandeln. Außerdem wurde es bei Gelbsucht („Es heylet und vertreibet auch alle gelbe / braune Flecken unter den Augen“) und bei Mundfäule verwendet.Getrocknete Pflanzen liefern einen wasserlöslichen Farbstoff, der als Ersatz für Indigo galt. Die stacheligen Blütenköpfe wurden in der „guten alten Zeit“ von Webern zum Aufrauen von Wollstoffen benutzt. Heutzutage kennen wir die getrockneten Blütenköpfe vor allem als floristische Zutat von Allerheiligen-Gestecken. Und doch: auch heute werden Blätter und Wurzeln sowohl bei inneren als auch äußeren Beschwerden verwendet. Hauptsächliche Anwendungsbereiche sind Erkrankungen und Beschwerden der Verdauungsorgane und die Wundheilung. In der Signaturlehre wurde das derbe Blatt wird zum Symbol für unreine Haut mit allen nur denkbaren Krankheitsbildern. So wird die zur Paste verarbeitete stachlige Grünmasse zum Segen bei diverse Hautkrankheiten wie Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis und Co. Viele der Krankheiten und Beschwerden, für die die Karde in der Volksmedizin von Bedeutung war, sind wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht worden, so dass konkrete schulmedizinische Beweise für deren Wirksamkeit ausbleiben. Nachvollziehbar ist es jedoch, dass die wilde Karde aufgrund ihrer Inhaltsstoffe entzündungshemmende, harntreibende, schweißtreibende und antioxidative Eigenschaften aufweist. Die Kardenwurzel kann man als Tinktur oder Tee gegen Borreliose einsetzen, wenn eine Therapie mit Antibiotika nicht anschlägt oder auch begleitend zu einer Antibiotika-Behandlung. Dazu sollte sich dann eine „Überhitzungstherapie“ gesellen: Zweimal wöchentlich muss der geschundene Körper ein künstliches Fieber über sich ergehen lassen. Sechs Monate dauert diese Prozedur.  Der Einsatzzweck der Karde gegen Borreliose ist hochinteressant, denn naturheilkundliche Methoden gegen diese Krankheit sind rar und selbst Antibiotika können oft nicht helfen.

Die Kardenwurzel soll auch generell eine Stärkung des Immunsystems bewirken. Ein gesunder Lebenswandel, ein Leben aus der inneren Mitte heraus ist ganz allgemein förderlich für alles, was uns aus „Gottes grüner Apotheke“ zukommt, zuwächst.

Gott befohlen und herzlichst – Euer Pater Gerhard.

Pater Gerhards Termine im Mai

Thema des Monats: Grünkraft tanken. Vital mit jungem Frühlingsgrün.

Mi., 9.5., Gasthof Adler, Ebenweiler: 19°° Uhr

Mi., 16.5., Landgasthof – Hotel Kreuz, Bad Waldsee-Mattenhaus: 18°° Uhr

Do., 17.5., Weinstube Kernler, Krauchenwies: 19°° Uhr

Do., 24.5., Gasthof zur Sonne, Wangen-Leupolz: 18°° Uhr

Mo., 28.5., 1. Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten, 18°° Uhr.

Für alle Termine gilt: Bitte anmelden!!!!!!

Zwischenruf im Mai

Hart ist der Stein. Härter als Stein ist das Herz, das versteinert ist. Als die Herzen aller Menschen versteinert waren, wurde die Erde so schwer, dass sie aus der Umlaufbahn der Sonne absank. Steinerweichend. Aber die Menschen wurden noch steinerner als jeder Stein. Ein versteinerter Mensch – einer, der vom Leid nicht mehr zu zeichnen ist – bleibt unaufweckbar. Es kam eine Zeit, in der die Steine die Menschen wieder das Fühlen lehrten. Die Steine begannen zu zittern vor den Menschen mit den steinernen Herzen. Das Leid unter den Menschen und das Leid durch Menschen nahm so überhand, dass die Steine vor Mitleiden erweichten. Es ist auch denkbar, dass die Steine vor Freude hüpften.Vielleicht macht es etwas aus, aufgewachsen zu sein unter der penetranten Parole: „Gelobt sei, was hart macht!“ Ein ungeheurer Protest wuchs heran zugunsten des Sanften. Es ist eine Mission, das Sanfte vom Anschein des Verächtlichen zu befreien. Zeitalter haben Atmosphärisches an sich. Warum soll auf Zeitalter der Härten nicht das Zeitalter des Sanften folgen? – Aber die Härten werden geschürt. Die „Sanften“ werden verdrängt. Es gibt Geburtswehen neuer Zeitalter. Ein solches der Ungewalt wäre fällig. Der neue Äon, den Jesus ankündigte und einleitete, war oder ist oder wird sein wohl keiner der Härte, eher einer des Sanften, aber von Grund auf. „Selig sind die Zarten,…“ – So ist das wohl noch nicht übersetzt. Schämen wir uns solcher Üb-ersetzung? Ist uns das Zarte gar peinlich? Sind wir zu grob, um des Zarten fähig zu werden? Kann denn der Sanfte anders als zart sein? Zart ist unmännlich, und männlich ist der Marschschritt. Aber der Zarte spürt, was zertreten wird. Die Zarte spürt das wohl noch mehr. Die Zarten spüren die Zerstörung voraus. Die Zarten sind die Quelle des Widerstandes gegen die Zerstörer.

Selig sind die Zarten. Sie halten die Erde unzerstört. Sensibilität. Gespür. Feingefühl. Wärmestrom um einen Menschen. Mitschwingfähigkeit. Wahrnehmungsvermögen nicht fixierender Art. Wärmeabbau. Atmosphäreloser, scharfrandiger Umriss – wie von einer Zielscheibe. Entsensibilisierung. Die Kühle, mit der Menschen erledigt werden. Die Kalkulation von Schrecken, die zuvor das Gefühl annulliert. Der blanke Hass, der die sensiblen Reste überfriert. Revolution zugunsten elementaren Mitfühlens. Revolution gegen ein Attrappendenken, das den Menschen und sein Gesicht übersieht. Resensibilisierung. Ihr hört, dass gesagt wird: Gelobt sei, was hart macht. Gebt euch brutal. Setzt euch rücksichtslos durch. Ich aber sage euch: Gelobt sei, was zart macht. Die Sanften siegen. Haltet einander unverletzt. Wir haben Scharfmacher. Sanftmacher sind nötig. Sie sind die stärkeren Revolutionäre. Scharfmacher werden schartig. Sanftmacher behalten ihre gedrungene Wucht. Scharfmacher hinterlassen zerschnittene Tischtücher. Sanftmacher lieben den runden Tisch. Witz zielt spitz. Humor entlastet sanft. Der Scharfe schlägt nur eine grobe Saite. Der Sanfte bildet in sich ein feinsaitiges Ensemble. Der Sanfte ist nicht stumpf und noch weniger abgestumpft. Sein Wort dringt tiefer ein. Aber es ätzt, es kränkt, es verletzt nicht.

Unsere Gottesdienste im Mai

  • Freitag, 04. Mai, 19°° Uhr: ökumenischer Vesper-Gottesdienst im Brunnenhof
  • Sonntag der Osterzeit, 06. Mai, 10°° Uhr: Hl. Messe zum KRÄUTERFEST im Brunnenhof mit Segnung der Zeltkapelle St. Andreas und Wahl unseres Kirchenvorstands. (FÜR DEN „WELTLICHEN TEIL“ BITTEN WIR UM KUCHENSPENDEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!)
  • Sonntag der Osterzeit, 13. Mai, 11°° Uhr: Hl. Messe, Abtei St. Severin
  • Freitag, 18. Mai, 19:30 Uhr: Maiandacht in der Hofkapelle Ragenreute
  • Pfingstsonntag, 20. Mai, 10:30 Uhr: Messe, Hofkapelle Ragenreute
  • Freitag, 25. Mai, 19°° Uhr: ökumenischer Vesper-Gottesdienst im Brunnenhof mit anschließendem Vesper
  • Fronleichnam, Donnerstag, 31. Mai, 18°° Uhr: Eucharistische Anbetung und Liturgie der vorgeweihten Gaben im Brunnenhof.