Biblischer Zwischenruf im Juli

Ein Zwischenruf!

Du sollst – du darfst – du wirst!

Überzeugungen verwirklichen sich erst dann, wenn sie sich bewähren; bewähren in der Geschichte, in meinem Lebensvollzug. Ich bin gefragt. Ich bin gefordert. In dieser Bewährungsphase, auf dem Weg zur Verwirklichung meiner Überzeugung, werden wir immer wieder mit „meinem Nächsten“ konfrontiert. Bin ich aufgefordert mich mit der Frage auseinander zu setzen: Wer ist mein Nächster und wessen Nächster bin ich? Die Worte unseres Alttestamentlers Franz-Josef Helfmeyer, die er während des Theologiestudiums an uns unbedarfte Hörer gerichtet hat kommen mir in den Sinn: Sie helfen uns, um nicht in ungesundes Leistungsstreben zu verfallen: „Du sollst!“ und „Du wirst!“ sind zwei unterschiedliche Lesarten ein und desselben Textes, sind die beiden Seiten einer Medaille. Dem schroffen und fordernden „Du sollst!“ wird die befreiende Zusage „Du wirst!“ an die Seite gestellt. Beide Aussagen verschmelzen so zu der Frohen Botschaft die da heißt: Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Du wirst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Das ist seine Zusage an mich, an jeden von uns. Und – wie gesagt, wer mein Nächster ist offenbart mir mein Herz. Wir brauchen nur in uns hineinzuhören. Manches wird dann klar. Es wird klar und einleuchtend, was da in dieser Begegnung mutig und unvoreingenommen von mir erwartet wird. „Erwartet“ – auch dieses Wort kann uns in die Mitte unseres Seins führen. „Er wartet“ geduldig und hoffnungsfroh. Es ist ganz nah bei dir. Das Wort ist in deinem Mund und es kommt aus deinem Herzen – und – du kannst es halten! Christus wird uns dieses Leben und Lieben ermöglichen, er, der vor aller Schöpfung war und in dem alles Bestand und Zukunft hat. Durch ihn sind wir teil der Neuen Schöpfung. Durch ihn sind wir zum Leben befreit. Durch ihn sind wir frei! „Und wer ist mein Nächster?“ – Immer wieder diese Frage. Philosophen zu allen Zeiten fragen „Was ist der Mensch?“ Die Heilige Schrift unser Gott lehrt uns: „Der Mensch ist mein Nächster!“ Der Mensch ist immer Mitmensch.Jesus ermutigt uns, Mitmensch und Nächster zu sein. Der Beistand, den er gesandt hat verleiht uns die Kraft, dann wenn es Not tut zu helfen, dem „der unter die Räuber gefallen war.“

Herzlichst Euer Pater Gerhard