Das Heilige Blatt – mein Kraut des Monats

1000 Wunder Pflanze, Calanchoe brasiliensis pinnata. Weitere Bezeichnungen für dieses Allheilmittel für und gegen Alles sind: Bryophyllum calycinum, Crassuvia floripendia, Crassula pinnata, Sedum madagascariense, Verea pinnata. Der Volksmund nennt sie: Air plant, clapper bush, coirama,  green love (Grüne Liebe), hoja de aire, life leaf (Lebensblatt), live forever (Ewiges Leben), mexican loveplant (Mexikanische Liebespflanze), miracle leaf (Wunderblatt), und … In Deutschland nennt man sie Luftpflanze, Brutblatt, Keimzumpe, Lebenszweig, Kindlipflanze. Das Heilige Blatt ist eine Dickblatt- und Speicherpflanze aus den südamerikanischen Tropen. Dort wird sie schon lange als Heilmittel gegen verschiedenste Krankheiten eingesetzt. Zu uns kam sie per „Nonnenpost“. Franziskanerinnen aus Reute haben sie mitgebracht. Heimlich, im Kulturbeutel haben sie Natur und Grünkraft in unsere Region gebracht.  Bei uns gedeiht sie problemlos auch im Blumentopf. In ihrer Heimat kann die Pflanze bis zu drei Meter groß werden, bei uns schafft sie gerade einmal 40 cm. Das besondere an ihr ist, dass sie an den Blatträndern immer wieder neue Triebe ansetzt. Ein Blatt der Pflanze auf die Erde gelegt und es wachsen neue Pflanzen aus den Einkerbungen des Blattrandes. Bei der „Goethepflanze“, die zur gleichen Familie zählt, wachsen diese „Kindl“ bereits an der Pflanze selbst heran.

Verwendet werden die Blätter und der Blattsaft. Die Blätter und der Saft der Pflanze werden in der südamerikanischen Volksmedizin äußerlich gegen Abszesse, Gelenkentzündungen, Fußpilz, Geschwüre, Brandwunden, Schwielen, Ohrenschmerzen, Ekzeme, Kopfschmerzen, Insektenstiche, Juckreiz, Wunden, Hautverletzungen, Rheuma, Zahnschmerzen, Warzen, Knochenbrüche, Schmerzen, Pickel, Verstauchungen und Entzündungen eingesetzt. Sehr gute Erfolge wurden in der Behandlung mit Fersensporn erzielt. Klinische Forschungen bestätigen die antivirale, antifugale, antibakterielle, fiebersenkende, entzündungshemmende, wundheilende, muskelentspannende, mild beruhigende und schmerzlindernde Wirkung der Pflanze, die darüber hinaus Magengeschwüre lindert, karminativ, diuretisch wirkt, das Cholesterin senkt, die Körpertemperatur herabsetzt, den Uterus stimuliert und die Menstruation anregt.

Für die innerliche Anwendung: Einfach die Blätter essen, oder, wenn’s unbedingt sein muss, 1-2 Tassen Tee aus den frischen Blättern, abgekühlt, täglich, trinken; Äußerlich werden der Saft und die Blätter verwendet. Dazu wird ein Blatt perforiert (mit einer Nadel, Gabel oder einem Zahnstocher) oder mit dem Wellholz ausgerollt, damit der Saft besser austreten und an der betroffenen Stelle wirken kann. Das Heilige Blatt soll nicht während der Schwangerschaft anwendet werden!

Sie ist als Zimmerpflanze zu halten, will nur sparsam gedüngt und wenig gegossen werden. Ist das nicht ein Wunder: Fällt ein Blatt auf die Erde, wächst sofort eine neue Pflanze daraus. Es reicht sogar ein Schnipsel eines Blattes! Das Wunderblatt zeigt uns durch diese enorme Regenerationsfähigkeit seine ungeheure Vitalität. Verständlich, dass eine mit so viel Kraft gesegnete Pflanze eine großartige Heilpflanze sein muss. Denn Heilen bedeutet ja auch immer, Vitalkräfte zu entfachen! In der Kosmetikindustrie wird diese Kalanchoe als Hautpflegestoff verarbeitet. Als Erste-Hilfe-Pflanze oder „Lebende Hausapotheke“ haben sie sicher einen Platz auf der Fensterbank verdient. Frische Blätter sind dann immer bei kleinen Verletzungen zur Hand. Sie wirken aber auch als Immunmodulator, beruhigend auf das Nervensystem, muskel-entspannend, allergische Reaktionen reduzierend, als Antihistaminikum, fiebersenkend, schützend auf den Magen-Darm-Trakt, gegen Nierensteine, cholesterinsenkend, körpertemperatursenkend, insektizid, wundheilend, harntreibend, gegen Infektionen der oberen Atemwege, bei Grippe und Fieber. In der anthroposophischen Heilkunde wird Kalanchoe pinnata seit langem als Mittel zur Wehenhemmung eingesetzt. In der Kosmetikindustrie wird diese Kalanchoe als Hautpflegestoff verarbeitet.

Goethe: Mit einem Blatt Bryophyllum calycinum, an Marianne von Willemer, 12. November 1826:

Was erst still gekeimt in Sachsen,

Soll am Maine freudig wachsen.

Flach auf guten Grund gelegt,

Merke wie es Wurzeln schlägt!

Dann der Pflanzen frische Menge

Steigt in lustigem Gedränge.

Mäßig warm und mäßig feucht

Ist, was ihnen heilsam deucht.

Wenn du’s gut mit ihnen meinst,

Blühen sie dir wohl dereinst.

 

Gott befohlen und herzlichst – Ihr Pater Gerhard.