Das Kraut des Monats September: Frauenmantel

Frauenmantel, als „Kraut für die Weiber“ den Germanen heilig. Wegen seiner Kraft gegen Frauenleiden weihten die vorchristlichen Hebammen und Kräuterweiber den späteren „Unser Frowen Mantel“ der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Frigga. Mit dem Frauenmantel hatte die Göttin den Frauen ein Mutterkraut geschenkt, das – insbesondere bei abnehmendem Mond gebraucht – die Macht besaß, Blutungen zu stillen oder Geburtswunden zu schließen. Die Germanen verehrten Frigga einst als Spenderin des Ehesegens und brachten ihr Milch- und Räucheropfer dar, damit sie über die Gebärenden wachte.  Alchemilla scheidet auf scheinbar wundersame Weise Wasser durch feine Poren am Blattrand aus. Diese „Gutatationstropfen“ an den feingezackten Blatträndern wird auch „Tau“ genannt. Im Frauenmantel leben verborgene Geister, wussten die alten Kräuterweisen zu berichten. Baum- und Blumenelfen waschen sich im Tau, der sich am Morgen auf den Blättern findet. Der Tau ist begehrtes Alchemistenwasser. Er wird zu allerlei Zauberei gebraucht. Schon der „Druide Miraculix“ aus dem kleinen Dorf  der Gallier (das übrigens nie einen Namen erhalten hat und von Römern und Gästen nur als das „Dorf der Verrückten“ bekannt ist) als namentlich bekannter Mittler zwischen den Göttern und den Kelten, begehrte dieses „Pflanzenwasser“. Es diente zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen und seiner goldenen Sichel, mit der er die Zutaten für seinen Zaubertrank erntete. Viele  Volksnamen beziehen sich auf diesen Tropfen auf den Blättern, die die Pflanze so reizvoll machen. In christlichen Zeiten wurde der Frauenmantel dann als Pflanze der Jungfrau Maria zum Symbol für alle Schutzsuchenden. Die Alchemisten des Mittelalters sammelten den auf den Blättern der Pflanze sich bildenden Tau. Der botanische Name des Frauenmantels „Alchemilla“leitet sich vom arabischen alkemelych (Alchemie) ab. Alchemisten versuchten, „Gold“ aus diesen „Tautropfen“ zu gewinnen und nutzten ihn für alle möglichen und unmöglichen alchemistischen Prozesse. Sie verwendeten den „Sonnenthau“ zur Bereitung des „Steins der Weisen“, jener geheimnisumwobenen Substanz, die alle unedlen Metalle in Gold und jede Krankheit in Gesundheit verwandeln sollte. „Uns Sinau“ schließlich leitet sich vom mittelhochdeutschen ab (sintowe = Immertau), weil der Wassertropfen auch noch stehen bleibt, wenn der Tau verdunstet ist. Tabernaemontanus rät: „Dieses Kraut in Regenwasser, oder aber Löschwasser, darin die Schmied das glühende Eisen ablöschen, gesotten und mit demselbigen Wasser die heimlichen Örter der Weiber gewaschen, dringet es dieselbigen zusammen als wenn sie Jungfrauen werend.“ Die Tropfen wurden auch gesammelt, um damit das Gesicht zu waschen, für eine schöne Haut und gegen Sommersprossen. Der Name „Gewittergras“ kommt von der Annahme, dass Frauenmantelkränze, an Fenstern, Türen oder auf dem Dachfirst angebracht, vor Blitzschlag schützen sollten. Sich ankündigenden Regen erkennt man, wenn der Frauenmantel „schwitzt“ – er ist eine Wetter-pflanze. Seit dem Mittelalter wird Frauenmantel zur Heilung von Haut- und Frauenleiden eingesetzt. Obwohl deutsche Gesundheitsbehörden den Frauenmantel heute nur noch bei leichtem Durchfall empfehlen, wird dieses Kraut in der Frauen-Naturheilkunde sehr geschätzt: Rund um die Geburt, bei Brustdrüsenentzündung, Menstruationsstörungen und Wechseljahrs-beschwerden wirkt es ausgleichend und regulierend und die Muttermilch treibt es. Später gab der Frauenmantel, der seinen Namen von der Form seiner Blätter, die früher mit dem Umhang Marias, eben Marias Mantel, verglichen wurden, bekam und traditionell bei allen möglichen „Frauenleiden“ angewendet wurde, eine ideale „Marienblume“ ab . Das Kräutlein pflanzt sich, ganz im Sinne der unbefleckten Empfängnis, nur eingeschlechtlich fort. Und weil die Alchemilla das Wasser aus dem Boden aufnimmt, es reinigt und schließlich wieder an den Himmel abgibt, wollten die Christen im „Himmelstau“ sogar den Läuterungsprozess der Seele erblicken.Zusammenfassend sei angemerkt, dass das, was vom Frauenröckchen bedeckt wird, unter der Obhut dieser Pflanze steht. Und da es im Norden der englischen Insel einen Volksstamm gibt, bei dem auch die Mannsbilder Röcke tragen – die Schotten sind gemeint -, hilft er natürlich auch dann, wenn der Besitzer des Kilts an Prostatabeschwerden leidet und sein Wasserhahn tropft. Als Rosengewächs passt es wunderbar zu Rosen; die Pflanze samt sich bereitwillig (oder lästig – je nachdem, wie man das sieht) aus, will man das vermeiden, schneidet man die verblühten Stängel ab. Dann treibt sie auch attraktiv wieder aus.

Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt / Wie keines ringsherum es hat.

Mit zierlich eingekerbtem Rand / Ist für den Tau es angespannt,

Recht als ein Schälchen hingestellt, / in welches Perl` auf Perle fällt.

So hebt es auf des Himmels tau, / der niedersinkt auf Flur und Au`,

Manch Elflein gegen Morgen kommt,  / das dürstet, dem zu trinken frommt,

Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht: / Ein bessres Labsal gibt es nicht.

(Johannes Trojan)

Gott befohlen und herzlichst – Euer Pater Gerhard.