„Der wahre Sinn der Fastenzeit liegt nicht im Verzichten“

„Der wahre Sinn der Fastenzeit liegt nicht im Verzichten“ (nach Karl Rahner)

„damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet: denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte“ Mt 5,45

Ganz spontan finde ich mich bei den Guten und Gerechten wieder und halte es für ausgesprochen ungerecht, wenn den Bösen das gleiche widerfahren soll. Ohne Ansehen der Person. Nur der Mensch in seiner Bedürftigkeit als einzige Motivation. Keine Verdienste zählen, keine Schuld hindert. Der Vater schenkt Sonne und Regen, eröffnet Wachstum und Verwandlung. Die Söhne erfahren das Böse auch im eigenen Herzen, danken für Sonne und Regen und wachsen der Verwandlung entgegen.   Diese Weite, diese Offenheit, diese Rücksicht und Vorsicht, ja diese Barmherzigkeit – mit mir und meinen Geschwistern- ermöglicht erst Leben und lässt mich um dieses Leben, um Toleranz bitten.

Toleranz hat eine Freundlichkeit um sich.

Toleranz ist nie fertig mit dem anderen.

Toleranz ist die Suche nach der Wahrheit von Liebe durchdrungen.

Die Toleranz Gottes aber ist die Annahme des Unannehmbaren.

Die Toleranz Gottes hebt die Härte jeder Grenze, die ich setze, auf.

Gottes Toleranz beschämt.

Sie deckt meine geheimen Intoleranzen auf.

Es bedrückt, unter Christen den Blick lauernder Intoleranz zu sehen.

Als sei da eine Lust,

dem Gegenüber einen Mangel

an rechtem Glauben nachzuweisen.

So bitten wir:

Ich toleriere dich. Du bist mir erträglich.

Ich ertrage dich. Ich trage dich mit.

Was du sagst ist mir unerträglich.

Das kann ich nicht mittragen.

Aber, dass du es sagen kannst,

das trage ich mit.

Ich toleriere dich. Ich dulde dich nicht nur.

Ich interessiere mich für dich.

Ich freue mich, dass du da bist.

Deine Vorliebe ist nicht meine Vorliebe.

Du siehst, hörst, schmeckst

und denkst anders.

Du bist du.

Als DU toleriere ich dich.

Durch die Zone hindurch,

in der es mir schwer wird dich zu bejahen,

sage ich ja zu dir.

Dazu helfe uns der allmächtige Gott.

Amen.

Diakon Fritz Hartmann