Erinnerung an Weihnachten – meine Weihnachtspredigt

Die Weihnachtszeit war und ist für mich eine wahrhaft bewegende Festzeit – wohl auch für die meisten von Euch. Bemerkenswert und irgendwie seltsam: schon bei der Geburt dessen, an dem unser ganzes Dasein hängt führt er uns „hinaus ins Weite und macht unsere Finsternis hell“.

Weihnachten bewegt nicht nur das Gemüt, sondern auch die Füße. Beim Hören und lesen der Frohen Botschaft von Weihnachten fällt auf, was das für ein Gelaufe war – damals, als Jesus zur Welt kam? Hunderte, nein Tausende von Menschen waren unterwegs – Kaiser Augustus hatte eine Volkszählung angeordnet, und alle mussten in die Stadt, aus der sie stammten. Die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef gehen von Nazareth nach Bethlehem – ein Weg von mehr als 150 km! In Bethlehem ziehen sie von Herberge zu Herberge und landen schließlich in einem Stall. Dort bewegt sich Gott auf die Menschen zu; er wird selber Mensch. Jesus kommt zur Welt. Hirten machen sich auf den Weg, um das Kind zu besuchen, ebenso die Magier aus dem Osten.

Das erste Weihnachten – Gott bewegt sich zu den Menschen, die Menschen bewegen sich zu Gott und auch aufeinander zu. Wirklich ein wahrhaft bewegendes Fest. Und im Vorklang lauschten wir den Worten des Jesaja: Bilder von Friede, Freude und Freiheit machen tolles Kino im Kopf, entwerfen Zukunftspläne. Den heutigen „Herrschern“ in Israel und Verantwortlichen Palästinas gehören diese Texte wahrhaft eingebläut, vielleicht auch um die Ohren gehauen, auf dass auch ihnen endlich das Licht aufgeht.

Gott bewegt sich auf die Menschen zu und wir suchen Gemeinschaft.  Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eigentlich niemand will Weihnachten alleine feiern. Wir besuchen uns, schenken uns was, reden und essen miteinander. Manche machen sich auf den Weg in die Kirche, auch die, die ansonsten nichts damit zu tun haben wollen.

Und Gott bewegt sich zu den Menschen hin: Er redet uns an, er sucht die Gemeinschaft mit uns in der Feier der Danksagung, er begleitet jeden von uns ganz persönlich mit seinem liebenden Interesse. Heute: Das Kind bewegt die Menschen.

Habt Ihr schon mal darauf geachtet, wie ein kleines Kind die Atmosphäre zwischen Erwachsenen verändert, selbst wenn diese sich gar nicht kennen? Im Bus oder im Zug ist ein kleines Kind oft der Anlass, dass andere Mitfahrer mit Vater oder Mutter ins Gespräch kommen. Laute Töne hört man selten in der Umgebung eines kleinen Kindes, und grantige Gesichter hellen sich auf, manche lächeln sogar. So wird es auch damals gewesen sein, die sich an der Krippe getroffen haben, sind in einer freundliche liebevollen Atmosphäre, auch wenn es ganz unterschiedliche Leute waren: Die bettelarmen Hirten, die belesenen und betuchten Sterndeuter, die ortsfremde heilige Familie und vielleicht noch der eine oder die andere aus Bethlehem.

Das Kind hat bewirkt, dass Friede war am Treffpunkt Krippe. Das war einmal.

Doch auch Heute, Weihnachten 2017, sehnen sich viele Menschen nach Frieden. Sie sehnen sich danach, dass Imperatoren bar jeder Menschlichkeit erkennen, dass es nicht darum geht „Amerika first“ hinauszuposaunen, sondern das „Menschlichkeit zuerst“, dass die Andersdenkenden nicht per se schon Terroristen sind und eingesperrt und vernichtet gehören, wie Herr Erdogan meint … Wir sehnen uns danach, dass ein freundlicher Umgangston die Gemeinsamkeit der Weltbevölkerung erkennen lässt: wir sind auf Gedeih und Verderb aufeinander verwiesen, sitzen alle im gleichen Boot.  Und es lebt sich leichter, wenn wir all unsere Sorgen auf IHN werfen. Ihn, der die Wogen zu glätten vermag, wenn wir ihn nur wirksam werden lassen.

Weihnachten ist das Fest des Friedens! Ich glaube daran. Heute wie damals bewegt sich Gott auf die Menschen zu – immer. Er will, dass sie zu ihm kommen. Gott will die Menschen bewegen, dass sie zueinander finden, sich begegnen. Gott will die Menschen verändern, damit ihre Begegnungen in einer Atmosphäre des Friedens stattfinden. Wenn wir uns auf diese Weise von Weihnachten bewegen lassen, ist der Anfang zum Frieden gemacht. Und wenn wir uns nicht nur an den Feiertagen, sondern auch im Alltag auf Gott und die Mitmenschen hinbewegen, dann hören wir vielleicht schon bald die Engel von Bethlehem wieder singen:

„Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf der Erde ist Friede bei allen Menschen guten Willens.“