Mein ganz spezielles Kraut des Monats: Mönchspfeffer

MÖNCHSPFEFFER – KEUSCHLAMM – Vitex agnus castus

  Eine notwendige Hinführung zu diesem wunderschön blau blühenden Bäumchen: Der Name „Mönchspfeffer“ deutet eine Verbindung zu den zumindest offiziell zölibatär Lebenden Mönchen an. Nicht nur aus den kriminologischen Abenteuern der Schwester Fidelma von Cashel und ihres Mitstreiters Bruder Edulf, die im 7. Jahrhundert gewirkt haben – so ihr Erfinder Peter Tremayne – sind uns in der klösterlichen Welt Doppelklöster überliefert. Das sind Klosterbezirke, in dem Mönche und Nonnen unter der Leitung eines gemeinsamen Ordensoberen lebten, wobei jedoch die männlichen und weiblichen Kommunitäten einer strengen Trennung unterlagen, unterliegen sollten! Im Westen umfasste die Lebensdauer der Doppelklöster, besonders im früheren angelsächsischen Raum, das 5. bis 9. Jahrhundert. In Frankreich, Italien und dem späteren Deutschland erlebten diese ihre Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurden die Doppelklöster fast überall aufgegeben; eine der beiden Gemeinschaften verschwand oder wurde verlegt. Gründe dafür waren vor allem die kritische Haltung von zeitgenössischen Kirchenführern gegenüber diesen Einrichtungen. Langer Rede, kurzer Sinn: Überall wo Menschen zusammen leben menschelt es, kann, zum Schrecken der Oberen, Lust und körperliche Liebe wachsen und gedeihen. Gelegenheit schafft Liebe! Diese Oberen blätterten in alten Folianten und wurden fündig. Den Griechen galt Mönchspfeffer als Symbol der keuschen Ehe. Dioscurides beschreibt den Keuschbaum als Anaphrodisiakum. So wurde der würzige Keuschlamm-Same („Keusch wie das Lamm“) als Pfefferersatz in der Klosterküche eingeführt, um leichter mit dem „Drängen des Triebes“ umgehen zu können, um die Lust zu unterdrücken. „Er löscht aus des Fleisches Brunst und Begierde …“, dämpft den Sexualtrieb beider Geschlechter. Dabei muss hoch dosiert werden, denn zu niedrige Gaben „laben den Knaben“, meint, sie stärken die Lust. Franz von Sales (1567–1622) erwähnt die Anwendung von Agnus Castus in seinem Büchlein „Philothea“ im 13. Kapitel – „Ratschläge zur Bewahrung der Keuschheit“: „Wer sich auf das Kraut Agnus castus bettet, wird selbst keusch und schamhaft. So wird auch dein Herz von jeder Makel und böser Lust gereinigt, wenn es im Heiland ruht, dem wahrhaft reinen und makellosen Lamm.“ Auf die mit dieser Pflanze verbundene Keuschheit und Reinheit deuten auch die Namen „agnus“ – „das Lamm“ und „castus“ – „keusch“ hin. In der sogenannten Volksmedizin wurde die Pflanze darüber hinaus zur Förderung des Milchflusses, bei Impotenz und auch als Appetitzügler eingesetzt. Der wichtigste Einsatzzweck des Mönchspfeffers in heutiger Zeit ist  die Frauenheilkunde, da er die weiblichen Hormone ins Gleichgewicht bringt. Er wirkt milchtreibend und  hilft sowohl gegen Periodenprobleme als auch bei Wechseljahrbeschwerden. Diese Wirkung hängt mit seiner Funktion als Phytohormon zusammen, denn der Mönchspfeffer kann die körpereigene Progesteronbildung anregen und sorgt dafür, dass die Ausschüttung anderer Enzyme normalisiert wird. Obwohl in erster Linie als Frauenkraut verwendet, hat man seine Vorzüge auch bei der Behandlung von Hoden- und Prostataentzündung entdeckt. Darüber hinaus wird Mönchspfeffer bei Potenzstörungen und Depressionen eingesetzt. Übrigens: der hilfreiche Same wird gegessen! Die übliche tägliche Menge liegt bei 30-40 mg.

Gott befohlen und herzlichst –

Euer Pater Gerhard.