Mein Kraut des Monats: Galgant

Der ursprünglich aus Südostasien stammende Echte Galgant (Alpinia officinarum) – auch als „Kleiner Galgant“ oder „Fieberwurzel“ bekannt – zählt wie der Ingwer (Zingiber officinale) zu den Ingwergewächsen. Auch rein optisch ähnelt der Galgant dem Ingwer sehr stark. In beiden Fällen ist es die Wurzel (das Rhizom), die sowohl in der Küche als auch in der Heilkunde Anwendung findet. Doch während der gelbe Ingwer heutzutage auf der ganzen Welt vielfach als Heil- und Gewürzpflanze eingesetzt wird, ist der rötliche Galgant in unseren Breiten unberechtigterweise etwas ins Hintertreffen geraten. Im chinesischen Arzneibuch „Sammlung von Rezepten berühmter Ärzte“ aus dem 5. Jahrhundert wurde die Wirkung der Wurzel des Echten Galgants (Gāo liáng jiāng) erstmals beschrieben. Wegen ihres scharfen Geschmacks und wegen ihrer starken Wärmewirkung wurde sie zur Behandlung von „kühlen“ Magen-Darm-Erkrankungen verwendet. Die aktuell gültigen chinesischen Arzneibücher empfehlen die Droge zur Behandlung folgender Erkrankungen: Kühle-Schmerz im Bauch, Magen-Kälte und Erbrechen, Aufstoßen und Sodbrennen. Vermutlich waren es die Araber, die den Galgant im 8. Jahrhundert hoch zu Ross bis zu uns gebracht haben. Dabei sind nicht nur die Menschen in den Genuss der feurigen Pflanze gekommen, sondern auch die Pferde. Die edlen Tiere wurden mit Galgant gefüttert, um ihnen eine besondere Kraft und Ausdauer zu verleihen. Im Cordoba des  10. Jh. verfasste der Medizinhistoriker Ibn Dschuldschul  eine „Ergänzung zur Materia medica des Dioskurides“. Darin nannte er den Galgant „Hūlanğān“: „Hūlanğān. Eine indische Droge, warm und feucht. Sie steigert die Potenz, ist dem kalten Magen bekömmlich, von angenehmem Geruch, kräftigt den Magen, die kalte Leber und die inneren Organe.“ Die hellsichtige Äbtissin Hildegard, deren riesige Folianten, vollgeschrieben sind mit heilsamen Empfehlungen, bezeichnet den Galgant als „Gewürz des Lebens“. Im 13 Kapitel ihrer Physika heißt es: „De Galan ist ganze warm … und heilkräftig. Einer, der ein hitziges Fieber in sich hat, pulverisiere Galan und trinke dies mit Quellwasser, und es wird das hitzige Fieber löschen. Und wer im Rücken oder in der Seite wegen üblen Säften Schmerzen hat, der siede Galan in Wein und trinke ihn oft warm, und der Schmerz wird aufhören. Und wer Herzweh hat und wer im Herz schwach ist, der esse bald genügend Galan, und es wird im besser gehen.“  Nun, der Galgant kann tatsächlich zum Retter in der Not werden, vor allem, wenn es um das wichtigste Organ, das Herz, geht. Auch die gefürchtete Angina pectoris hat wenige Überlebenschancen, wenn der Galgant naht. Dennoch versteht es sich natürlich von selbst, dass man bei größeren Herzproblemen den Arzt aufsuchen sollte. Ob dieser einem allerdings Auskunft geben kann über die Kraft des Galgant, dürfte bezweifelt werden. Der Galgant wird seit Tausenden Jahren als Gewürz und Medizin verwendet – und das nicht ohne Grund! Ob der Magen schmerzt, die Verdauung zu Problemen führt, eine Erkältung naht, der Appetit zu wünschen übrig lässt oder das Reisefieber für Unwohlsein sorgt: Auf den Galgant ist Verlass. Neben der Anregung der Verdauung wirken die Inhaltsstoffe krampflösend sowie bakterien- und entzündungs-hemmend. Dadurch bietet sich eine Verwendung bei Appetitlosigkeit, Verdauungs-beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl sowie bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich an. Galgant wirkt euphorisierend und aphrodisierend, stimmungs-aufhellend, anregend, motivierend und wirkt so gegen Niedergeschlagenheit, Schlappheit, Frühjahrsmüdigkeit und verwandte Beschwerden, auch gegen Appetitlosigkeit. Allerdings hat Galgant auch eine psychoaktive Wirkung, die zu veränderter visueller Wahrnehmung und bei übermäßigem Verzehr sogar zu leichten Halluzinationen führen kann. Durch Galgant werden die Blutzirkulation und das zentrale Nervensystem angeregt. Dies hat auch eine positive Auswirkung auf die Konzentrationsfähigkeit und das Denkvermögen. Auch die sexuelle Leidenschaft soll dadurch beflügelt werden, und es heißt, dass ein im Mund behaltenes Stück Galgantwurzel eine besonders starke Erektion ermögliche. Da ist es kein Wunder, dass sich neuerdings auch die westliche Forschung für die heilsame Wurzel interessiert: Wissenschaftlichen Studien zufolge wirkt der Galgant gegen Entzündungen und rückt sogar dem Krebs zu Leibe. Das bis zu einen Meter lange Rhizom wird als Speisegewürz verwendet. Es riecht würzig und schmeckt bitter aromatisch sowie schwach brennend, erinnert etwas an Ingwer. Galgant ist Bestandteil von Gewürzmischungen (zum Beispiel Curry oder Leberwurstgewürz) und wird auch bei der Herstellung von Kräuterlikören geschätzt. Im 19. Jh. war die Wurzel des Echten Galgants Bestandteil der Tinctura aromatica – der Aromatischen Tinktur. „Nimm: Zimmtcassie zwei Unzen [16 Gramm], kleine Kardamomen, Gewürznelken, Galgantwurzel, Ingwerwurzel von jedem eine halbe Unze [4 Gramm]. Pulvere sie gröblich, und gieße darauf rektifizierten Weingeist zwei Pfund. Mazeriere acht Tage in einem verschlossenen häufig zu schüttelnden Gefäße, dann presse aus und filtriere. Sie sei von rothbrauner Farbe.“, schreibt Karl Friedrich Mohr in seinem „Commentar zur Preussischen Pharmakopoe“.

So ist Galgant rund um gesund ein Gewürz des Lebens und der Liebe.