Calendula

Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler. Pflanzenteile werden in der Naturheilkunde verwendet. So oder ähnlich beginnen die meisten Pflanzenbeschreibungen. Ich finde, viel zu lapidar, zu gewöhnlich für dieses lebenshungrige einjährige Kraut, das auch „Butterblume“, „Sonnenwendblume“, „Ringelrose“, „Goldblume“ oder „Totenblume“ genannt wird.

Schon die alten Ägypter nutzen dieses Blümlein als Jungbrunnen, das immerwährende Jugend verleihen soll. Die „Ringel, Ringel Rose“ (so der Titel eines altes Spiellieds aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert) war einst den Sonnenbräuten geweiht, die der nordischen Göttin Freya und später auch der „Maria Himmelskönigin“ unterstellt waren. Calendula ist ein Sinnbild der Erlösung nach dem Tod und Zeichen des ewigen Lebens. Ihr Name „Totenblume“ ist in ihrem Geruch begründet, der manche an Verwesung erinnert.

Calendula, die Ringelblume, war immer schon mit der Liebelei verknüpft.  Sie soll sich auch zur Liebesweissagung im Traum verwenden lassen: Sie wird gemeinsam mit Sommerkräutern getrocknet, gemahlen und mit Honig und Essig zu einer Salbe verarbeitet. Junge Frauen trugen die Salbe auf, bevor sie zu Bett gingen und riefen den Heiligen Lukas an, sie von ihrer großen Liebe träumen zu lassen. Es ist die Blume, die man klassischerweise für die Frage „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ verwendet. Das Abpflücken der Blumen soll allerdings Gewitter heraufbeschwören.

Die sonnengleiche Blume vollzieht den Lauf der Sonne nach: mit dem Anbruch des Tages öffnet sie ihre Blüten und verschließt sie, sobald die Sonne untergeht. Bei Bauern stand die Ringelblume in hohem Ansehen, weil sich mit ihrer Hilfe das Tageswetter voraussagen ließ. Waren die Blüten zwischen 6 und 7 Uhr bereits geöffnet, so versprach dies einen schönen sonnigen Tag. Waren sie jedoch nach 7 Uhr noch geschlossen, so musste mit Regen gerechnet werden.

Die Ringelblume ist nicht nur als Heilpflanze bekannt, sondern steht auch in vielen Gärten als besonders üppig blühende Zierde. Ab Juni taucht sie viele Bauerngärten in leuchtendes Orange.

Hildegard von Bingen weiß: „Die Ringelblume ist kalt und feucht und hat viel Grünkraft in sich. Und sie ist gut gegen Gift. Denn wer Gift isst, oder wem es verabreicht wurde, der koche Ringelblume in Wasser. Das Ausgedrückte auf den Bauch gelegt und das Gift entweicht… Und wer den Grind am Kopf hat, der nehme Blüten und Blätter und er drücke den Saft davon aus, und dann bereite er mit diesem Saft und etwas Wasser und Semmelmehl einen Teig, und dann lasse er damit seinen ganzen Kopf mit Tuch und Mütze verbunden, bis er sich erwärmt und bis der Teig zerrissen wird, und dann nehme er ihn weg. Und so tue er es während neun Tagen. Und sooft er den Teig von seinem Kopf wegnimmt, sooft habe er eine Lauge aus Ringelblumensaft bereit, und er wasche seinen Kopf ebenso oft damit, und er wird geheilt werden.“ (Physica, Heilkraft der Natur, Cap. 1-122)

Ringelblumen werden in der Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben verabreicht. In der Volksmedizin wird die Ringelblume als schweiß-, harntreibendes Mittel, das krampflösende, wurmtreibende Wirkung zeigt und gegen Leberleiden eingesetzt.

Pharmazeutisch werden die getrockneten ganzen, bzw. die zerkleinerten Blütenkörbchen, oder die getrockneten Zungenblüten verwendet. Die pharmazeutische Droge wirkt entzündungshemmend und fördert die Bildung von Granulationsgewebe und damit die Wundheilung. Bei Magen- und Darmgeschwüren wird sie innerlich angewendet. Äußerliche Anwendung findet sie bei Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden, bei Quetschungen, Furunkeln und Ausschlägen.

In der Lebensmittelindustrie wird die Ringelblume als Farbstoff eingesetzt, unter anderem bei Käse und Butter. In Teemischungen dient sie als Schmuckdroge. In der Vergangenheit diente sie zum Verfälschen von Safran.

Im Garten vertreibt Calendula durch Wurzelausscheidungen im Untergrund wirkende Schadorganismen.

Ein in allen Belangen heilsames Schöpfungsgut begegnet uns in der kinderfreundlichen  „Ringel, Ringel Rose“.

Gott befohlen und herzlichst –

Ihr Pater Gerhard.

Fenchel – mein „Oktoberkraut“

FENCHEL ist das erste Kraut, mit dem wir als Menschen in „Berührung“ kommen. Im Leib der Mutter haben wir uns wohlgefühlt. Immer satt, rund um versorgt, auch wenn es dann irgendwann doch recht eng geworden ist. Dann der Schritt durch die „Pforte des Lebens“, die Nabelschnur durchtrennt, abgenabelt und darauf angewiesen mittels einer ganz neuen Technik den Nahrungsbrei aufzunehmen. Saugen ist angesagt. Umständlich ist dies. Ein ganz neuer Geschmack und Luft wird mit verinnerlicht. Das Ränzlein beginnt zu zwicken und zu zwacken. Da hilft nur noch: Brüllen wie am Spieß. So wird Muttern genötigt Fencheltee zu trinken, damit ihre Milch mit den Inhaltsstoffen des Samens durchsetzt wird. Und siehe: es wirkt! Ruhe kehrt ein. Der kleine Mensch gewöhnt sich eben an so Manches. So schafft Fenchel beim neuen Erdenbürger und seiner Mutter ein frohes Gemüt. Das gilt dann aber auch für alle anderen, die am Fenchel Geschmack gefunden haben. Zu denen gehörten schon die alten Babylonier, bei denen schon um 3000 vor Christus der Gebrauch dieses Heilkrauts nachzuweisen war.

Johann Anton Weinmann (1782–1858), ein deutscher Botaniker, wusste: „Dem Fieber und dem Gift kann Fenchel widerstehen. Er macht den Magen rein und dient recht hell zu sein.“

Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zur Familie der Doldenblütler und ist eine heute weltweit verbreitete Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze. Eine alte deutsche Bezeichnung für den würzigen Doldenblütler ist „Köppernickel“. Auch als „Felsknolle“ oder „Brotsamen“ ist er bekannt.

Im Fencheltee begegnet uns ein alter Heiltrank „Wider den Teufel“ und das Schlankheits- und Schönheitsmittel der römischen Damen! Hildegard von Bingen wusste über „de Feniulo“: „Der Fenchel hat angenehme Wärme und ist weder von trockener noch von kalter Natur. Und wie auch immer er gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß und er verursacht eine gute Verdauung und er unterdrückt den üblen Geruch seines Atems und er bringt seine Augen zum klaren Sehen … Sogar ein Mensch, den die Melancholie plagt, der zerstoße Fenchel zu Saft, und er salbe oft Stirn, Schläfen, Brust und Magen, und die Melancholie in ihm wird weichen.“ (Physica, Heilkraft der Natur, Cap. 1-66)

Weiterverarbeitet und genossen werden einerseits die Knollen (vor allem in Salaten, Gemüsegerichten und als Beilage zu gedünsteten Fischgerichten), andererseits die Samen, die mit dem Anis vergleichbar sind. Letztere werden manchmal als Gewürz in Schwarzbrot mitgebacken oder zu Tee aufgegossen, wie wir zum Beginn dieser Geschichte bereits gehört haben. Fencheltee gehört neben Pfefferminz- und Kamillentee zu den meistgeschätzten Kräutertees. Oft wird er als Mischung in Kombination mit Anis und Kümmel angeboten.

Neben Verdauungsbeschwerden können die in den Früchten enthaltenen ätherischen Öle durch ihre antibakterielle Eigenschaft auch Atemwegsbeschwerden lindern. Fenchel regt den Appetit an, wirkt verdauungsfördernd, beruhigend und krampflösend. Nach einem guten Essen und Knoblauch-Genuss sorgen die Samen als „Mund-Erfrischer“ für einen guten Atem. Entzündungen der Augen lassen sich mit dem Dampf der Körner lindern. Das wissen bereits die meisten antiken Quellen.

Fenchel gehört traditionsgemäß zu Fisch. Gegrillter Seebarsch und Rote Seebarbe werden auf getrocknetem Fenchel flambiert. Er wird Saucen und Hackfleisch beigemischt. Fein gehackte Fenchelblätter nimmt man in geringer Menge zum Würzen von Suppen, Salaten, Mayonnaisen und für die „Sauce vinaigrette“. Die Genfer Longeole, eine Rohwurst-Spezialität, wird traditionell mit Fenchelsamen aromatisiert. Auch die Pollen des Fenchels können als Gewürz verwendet werden, sie sind sehr aromatisch und schmecken süß. Aufgrund der aufwändigen Produktion ist das Gewürz vergleichsweise teuer, zudem werden die Pollen nur in geringen Mengen geerntet. Fenchelpollen werden auch als „Gewürz der Engel“ bezeichnet. Fenchel findet darüber hinaus auch in einigen Spirituosen Verwendung. Häufig dient er dabei zur geschmacklichen Abrundung eines Getränkes, das als einen der Hauptbestandteile Anis enthält, wie Absinth oder Pastis.

2009 war Fenchel Arzneipflanze des Jahres 2009. Und noch etwas: Fenchel mag nicht zum Dill, obwohl sie einander doch so ähnlich sehen!

Gott befohlen und herzlichst –

Ihr Pater Gerhard.                                              Foto Fenchel_Makrodepecher_pixelio.de

Septemberkraut – Kapuzinerkresse

Schmackhaft und zugleich ein mildes Antibiotikum, das ist die „Pflanze der Liebe“, die „blutrote Blume aus Peru“. Als traditionelle Heilpflanze nutzten schon die Inkas die Kapuzinerkresse. Heute ist die aus Peru stammende Pflanze ein beliebtes Ziergewächs in vielen Gärten. Sie bringt Feuer und gute Laune in den Garten oder auf den Balkon. Denn wenn man sie so inmitten der anderen Kräutern sieht, trumpft sie auf mit ihren feuerroten- und gelben Blüten und sie kann ganz schön groß werden, je nachdem, welche Sorte man zu sich geholt hat. In der Welt der Gärtner firmiert dieses Kraut, das an heißen Sommerabenden kleine, feurige Funken auszusenden vermag – so weiß es ein Pflanzenmärchen -, als „Tropaeolum“. Dieser seltsame Name leitet sich von einem griechischen Wort ab, das ein antikes Siegessymbol bezeichnete: Ein Gerüst, das mit Waffen besiegter Gegner behängt war. Carl von Linné, den „alten Schweden“ der die Namensgebung von Pflanzen revolutionierte, erinnerte die Formen der Blätter an Schilde und die der Blüten an Helme. Die Blüten sind etwa fünf Zentimeter groß und ausgesprochen dekorativ. Am hinteren Ende haben sie einen Sporn, der ein wenig an die Kapuzen von Mönchskutten erinnert. Diese Sporne haben der Pflanze den Namen Kapuzinerkresse eingebracht.

Dass man die Kapuzinerkresse essen kann, ist inzwischen vielen bekannt. Aber nicht nur die Blüten, sondern auch ihre Blätter, Knospen, Samen und ihre Stängel sind essbar. So gibt es viele leckere Varianten für Kapuzinerkresse Rezepte, auch wenn die Blüten noch auf sich warten lassen. Die Pflanze verleiht Speisen eine angenehme Schärfe ähnlich wie Kresse, Meerrettich, Radieschen und Senf. Hervorgerufen wird die Schärfe durch Senföle, die in der Pflanze eigentlich eine Schutzfunktion einnehmen und die erst dann entstehen, wenn wir dieses Kräutlein schnabulieren. Sie sind es auch, die das Wachstum von Viren, Bakterien und Pilzen hemmen.

Inzwischen ist es hieb- und stichfest belegt: Natürliche Antibiotika aus Kapuzinerkresse und Meerrettich sind bei einfachen bakteriellen Atemwegsinfektionen genauso wirksam wie synthetische Mittel – und das ohne Nebenwirkungen!

Beeindruckend sind die Heilkräfte der Kapuzinerkresse hier habe ich einfach mal das Wichtigsten aufgelistet:

  • Sie fördert die Verdauung, kann Verstopfung bekämpfen.
  • Sie kann leicht erhöhte Cholesterinwerte senken.
  • Sie wirkt blutreinigend.
  • Die „Salatblume“ kann Keime abtöten. Daher nennt man sie auch das Antibiotikum aus dem Garten.
  • Sie ist eines der besten Naturmittel, um eine beginnende Erkältung abzuwehren, denn die Heilpflanze kann auch Viren bekämpfen und Gifte aus dem Körper abtransportieren.
  • Die Kapuzinerkresse hat auch bei Müdigkeit eine stark belebende Wirkung.
  • Sie reinigt Nieren und Galle und fördert den Aufbau der Darmflora, der Welt der positiven Bakterien im Darm.
  • Die „Blumenkresse“ liefert reichlich Vitamin C und A sowie alle aus der Gruppe der B-Vitamine, außerdem: Kalium, Calcium, Eisen und Phosphor. Besonders interessant sind die sanften Jod-Gaben, die für diejenigen wichtig sind, die Schwierigkeiten mit ihrer Schilddrüse haben.
  • Kapuzinerkresse kann darüber hinaus das, was herkömmliche Kresse nicht kann: Sie versorgt uns mit dem Spurenelement Chrom. Und Chrom steuert das Satt-Sein. Wer abnehmen will, sollte jeden Tag 3 gehäufte Esslöffel kleingeschnittene Blätter von der Kapuzinerkresse konsumieren – etwa auf einem Brot mit ganz wenig Butter. Sie sind dann mit weniger Essen schneller satt.
  • Und sie hat eine tolle Eigenschaft: sie wirkt gegen einige Pilze. Sprosspilze und andere Candida-Spezies mögen sie gar nicht und reagieren hochempfindlich.

Bei übermäßigen Verzehr jedoch, kann es zu Magen-Darm-Reizungen kommen, vermutlich verursacht durch die Senföle. Ich selber konnte aber noch nichts davon wahrnehmen trotz längerem Gebrauch. Aber sind wir mal ehrlich, auf chemische Medikamente reagiert unser Körper auch oft mit Sodbrennen und dann wird oft einfach ein Zusatzmedikament gegen dieses neue Symptom verschrieben.

Gott befohlen und herzlichst – Ihr Pater Gerhard.

Verveine – (mein) Sommernachtstraum

Mein Favorit unter den Duftpflanzen:

Die Zitronenverbeneein Sommernachtstraum. Nichts an Aroma deucht mich reiner und feiner – Zitrone pur. Foto Zitronenverbene

Wenn ich mit meinen Händen durch die harten Blätter streiche und eine Nase voll einatme: es ist wie ein Aufbruch ins Weite! Freiheit lässt sich atmen! Dieser Duft befreit mein Hirn von Engführungen und Traurigkeit.

Aloysia triphylla /citrodora, auch als “Duftendes Eisenkraut” bekannt, stammt ursprünglich aus Südamerika. Uruguay, Argentinien, Chile und Peru sind seine Heimat. Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa gebracht, fand die Pflanze aus der Familie der Eisenkraut-gewächse im Süden Frankreichs eine neue Heimat. Verveine-Plantagen wurden angelegt. Zitronenaroma und Lavendelduft – das Geruchserlebnis der Provence. Noch bis in die 1920er-Jahre führte auch bei uns fast jede Baumschule diesen Strauch mit den hocharomatischen Blättern in ihrem Sortiment. Wintergärten wurden damit geschmückt.

Leider ist dieser Strauch nicht winterhart, verliert zudem noch sein Laub und wartet lange mit dem Neuaustrieb.

Heute ist er bei Feinschmeckern und Kräuter-Liebhabern wieder ein Begriff. Die Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Schweinefleisch- und Pilzgerichte, manch alter Hammel (zwei oder vierbeinig) und Fisch gewinnen durch ihren Geschmack. Wesentlich häufiger aber werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. In Milch eingelegte Blätter verzaubern „Panna Cotta“ in eine hocharomatische Köstlichkeit.

Aus den frischen und getrockneten Blättern wird ein leckerer Tee bereitet. Legt man frisch gepflückte Zitronenverbenen-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, erhält man einen angenehm erfrischenden Tee mit leicht beruhigender und stoffwechselanregender Wirkung. Als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee ist er in Frankreich sehr beliebt und bekannt als „Verveine“. Wenn Sie einen wirklich gut schmeckenden Kräutertee suchen – probieren Sie diesen zuerst!  „Verveine“ gibt auch einem wohlschmeckenden Kräuterlikör den Namen. Zitronenverbene wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen. In Grasse wird destilliert und Marseilles ist der Hauptort des Seifensiedens. Kostbares ätherisches Öl wird in Grasse mittels Wasserdampfdestillation aus den Blättern gewonnen. Verveine-Wasser hat eine unbeschreibliche „Hallo-Wach!“-Funktion, kühlt beispielsweise als Eau de Toilette oder Rasierwasser geplagte Haut und vertreibt Insekten. Säckchen oder Bündel dieses Krauts bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Da Zitronenverbenen appetitanregend sowie verdauungsfördernd sind, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Zudem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und damit in Verbindung mit den anderen Eigenschaften auch bei Erkältungskrankheiten. Zudem verfügt Verveine über  keimhemmende Eigenschaften.

Das „Duftende Eisenkraut“, Zitronenverbene, mehr als nur ein Sommernachtstraum!

Gott befohlen und herzlichst

Ihr Pater Gerhard

Basilikum – mein Kraut des Monats

 

Sommer, Sonne, Siesta und Fiesta. Dolcefarniente – süßes Nichtstun.  Erinnerungen an einen Urlaub im Land, in dem nicht nur „die Zitronen blühen“. Vollreife rote Tomaten, weiße Mozzarella, gutes Öl, bester Essig, Salz, Pfeffer und das Grün und der Geschmack von Basilikum. Das Aroma und die Nationalfarben Italiens tun sich auf. Schon sind wir mitten im Leben und ganz bei unserem Thema.

Basilikum, „Kraut des Königs“, „Königsbalsam“, „herrschaftliches Kraut“, „Balsamkraut“ und … viele Namen kennt Ocimum basilicum, der wohlschmeckende und so gesunde Lippenblütler. „Basilikos“  bedeutet „königlich“, wohl wegen des würzigen, edlen Duftes, und „Ocimum“  leitet sich vom Griechischen „ozein“ für „riechen“ ab. Nutzen Sie Ihre „Herrgotts-Gabeln“ (Ihre Hand samt den Fingern), kosen Sie das zarte Laub, schließen Sie die Augen, nehmen Sie den Duft in sich auf. Das Aroma ist überwältigend. Ich spreche dann immer von einer „vegetarischen Schlachtplatte“, da das Geruchserlebnis wahrhaftig dem einer frischen Blutwurst entspricht – und das vollkommen vegan!

Etwa sechzig Arten gehören zu dieser Gattung. Ursprünglich hatten sie im östlichen Mittelmeerraum, den gemäßigten Zonen Afrikas und Südamerikas ihre Heimat. Heute werden die gängigsten Sorten rund um den Globus angebaut. Uns betören die Aromen, die frische Salate, Weichkäse, Fisch, Gemüse und Suppen aufpeppen. Das Kraut hilft uns Salz zu sparen! Wunderbar schmecken Genoveser-Basilikum, die rotblättrigen Sorten, Zitronen-, Zimt-, Thai-  „Heiliges“ Basilikum und …

Eigentlich einjährig, gibt es einige Arten, die ausdauernd, aber eben nicht winterhart sind.

Seit 3000 Jahren nutzen wir Menschen Basilikum zum Zweck der Ölgewinnung, als Gemüse, Gewürz, Zierpflanze, als heilmächtiges Kraut aus Gottes grüner Apotheke, dem auch liebes- und luststeigernde Wirkung nachgesagt wird.

Die darin enthaltenen ätherischen Öle, Vitamine, Makro- und Mikronährstoffe bewerkstelligen, dass Basilikum verdauungsfördernd, appetitanregend, hustenstillend, nervenberuhigend, schlafanbahnend, potenzstärkend, erotisierend und milchvermehrend wirkt. Auch als „Rostschutzmittel für unser Leitungssystem“ (Antioxidans) tut es seinen guten Dienst.

Hildegard von Bingen berichtet in ihrer „Physica“ (1-230):Basilikum ist kalt. Aber ein Mensch, der an seiner Zunge die Lähmung hat, so dass er nicht sprechen kann, der lege Basilikum unter seine Zunge, und er wird die Sprache wiedererlangen. Aber auch wer starke Fieber hat …  der koche Basilikum in Wein und gebe Honig bei, und er seihe das, und er trinke das oft nüchtern und nach dem Abendessen, und die Fieber in ihm werden weichen“

Tatsache ist, dass Basilikumwein alten, verhärteten Schleim löst. Basilikum – getrocknet und gerebbelt – ist eben deswegen wichtiger Bestandteil vieler Hustenteemischungen.

Übrigens: Ein Topf Basilikum auf der Fensterbank oder dem Gartentisch macht diesen Raum für lästige Insekten aller Art ungemütlich. Das zerquetschte Kraut, direkt auf Insektenstiche oder Wunden aufgetragen lindert wie Spitzwegerich den Juckreiz und reduziert die Gefahr einer Entzündung.

Eine letzte Empfehlung meinerseits zu diesem Kraut: Ersetzen Sie im eingangs genannten deutsch-italienischen Nationalgericht die weiße, fade, nach nichts schmeckende Masse durch dünn aufgeschnittenen Limburger, Romadur, Backsteinkäse oder Weißlacker. Ihre Geschmacksnerven werden es Ihnen danken.

Gott befohlen und herzlichst Ihr Pater Gerhard

Salbei – das Kraut des Monats Juni

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Leuchtend blüht Salbei ganz vorn am Eingang des Gartens,

Süß von Geruch, voll wirkender Kräfte und heilsam zu trinken,

Manche Gebresten der Menschen zu heilen, erwies sie sich nützlich,

Ewig in grünender Jugend zu stehen hat sie sich verdienet …
(Walafrid Strabo, Hortulus)

Salbeiblätter – Eßbare Heilkraft, Stärkung unseres Immunsystems, frisch vom Strauch!

In Arabien gibt es ein altes Sprichwort: „Wie kann ein Mensch erkranken und sterben, in dessen Garten Salbei wächst?“ Die lapidare Antwort darauf lautet, überliefert von Konstantin von Salerno: „Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen“. Aber der Salbei wird uns helfen, auf daß wir „gesund sterben“. Das seit der Antike genutzte sonnenliebende Kraut wächst in jedem Garten, auf jeder Fensterbank, ist auch im Winter zu ernten. und pflegeleicht. Im sonnigen Süden Europas gedeihen sogar ganze Haine aus knorrigen „Salbeibäumen“, die um die Blütezeit herum einen berauschenden Duft verströmen.

Was hat es denn nun mit diesem „Wunderkraut“ auf sich?

Lange Zeit galt der Salbei, wie schon der Ursprung des Namens (lat. „salvare“, das heißt „heilen“ und lat. „salvere“, das bedeutet „gesund“) berichtet, als die Heilpflanze schlechthin. Nichtsdestotrotz ist bis heute der Ursprung, das Herkunftsgebiet des „echten“- oder „Garten-Salbeis“ unbekannt. Wahrscheinlich schon zur römischen Zeit gelangten die Pflanzen über die Alpen nach Mitteleuropa, wo sie in Kultur genommen und seit dem 6. Jahrhundert von Mönchen angebaut wurden. Seit der Zeit Karl des Großen durfte Salbei in keinem Kloster-garten fehlen.
Seine Bedeutung als Medizinalpflanze kann heute auf spezifische Bestandteile zurückgeführt werden. Vor allem das in den frischen Sprossen enthaltene ätherische Öl, aber auch Harze, Bitterstoffe und ein pflanzliches Östrogen bedingen die vielfältigen Wirkungen. Verbürgt sind die schweiß- und milchsekretionshemmenden wie auch die adstringierenden, entzündungshemmenden und desinfizierenden Eigenschaften der Blattdroge.

Die drei letztgenannten Eigenheiten stehen gemeinhin im Mittelpunkt der Nutzung in der Hausapotheke. So eignet sich Salbeitee hervorragend zur Behandlung von Zahnfleischbluten wie zum Gurgeln bei Halsentzündung, bei Schluckbeschwerden und zur allgemeinen Mundhygiene (frische Blätter als Ergänzung/Ersatz(?) für Zahnbürste & Co.)
Wöchentlich drei Salbeiblätter essen – damit erhöhen wir unsere Widerstandsfähigkeit gegen all die kleinen „Tierchen“, die Viren und Bakterien, die uns in der kalten Jahreszeit das Leben schwer machen.
Lauschen wir zum Abschluß den Ausführungen Hildegards von Bingen (Physica, Buch I, Cap. 63) „ … roh und gekocht ist er gut für jeden zu essen, den schädliche Säfte plagen … Nimm Salbei, pulverisiere ihn und esse ihn mit Brot, und er vermindert den Überfluß an schlechten Säften … Und wer Gestank und Schnupfen erleidet, der stecke Salbei in die Nase, und es nützt ihm … Und wer aus dem Mund stinkt, der trinke Salbeiwein … Wer aber Widerwillen gegen das Essen hat, der nehme Salbei und weniger Kerbel und zerstoße dies in Essig. So mache er eine Würze und er tauche die Speise, die er essen will, hinein und er hat Appetit zu essen – so Gott will.“
Die genannte Anwendung für die Nase ersetzt jedes Schnupfenspray. Der Wein schafft einen reinen Atem und das Gewürz hilft gegen „Schwindsucht“ – was wollen wir mehr?
Gott befohlen und herzlichst,
Ihr Pater Gerhard

 

 

ACHTUNG

Die Führungen im Kräutergarten der Gärtnerei Dietmar Negrassus in der Rauensteinstraße 140 in Überlingen beginnen erst um 18°° Uhr!!!!

Lorbeer, Laurus nobilis – der „Edle von Laurus“: Uralt und mächtig

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ist’s was uns da entgegenwächst. Wo „Laurus“ zu finden ist? – Niemand weiß es. Seine Quellen liegen im Dunkeln der Schöpfungsgeschichte.

Mit diesem aromatischen Baum bringen Fachleute die kultische Verehrung von Muttergottheiten im Griechenland der vorhellenistischen Zeit in Verbindung. Ursprünglich war wohl der heilige Lorbeer-Hain für Männer tabu. Später finden sich Hinweise, dass mit seinen Blättern Reinigungsriten für vergossenes Blut abgehalten wurden. Der Ort, an dem dies geschah, ist Delphi, der berühmteste griechische Orakelplatz. Mit dem Wechsel von Mutter- hin zu „männlichen“ Gottheiten wurde Apollon, der Sohn des Zeus, für das Orakeln und mithin auch für den Lorbeer zuständig. Die Seherin von Delphi kaute Lorbeerblätter und berauschte sich am Rauch der Blätter. Lorbeer ist so gesehen die Quelle dieser Weissagungen: Verborgenes wird im ekstatischen Rausch sichtbar.

Bis heute sind diese Blätter ein Zeichen der Dichtkunst und Musik, und Apoll ist der Gott der Musen. Lorbeer ist uraltes Sinnbild für Sieg und Triumph. Siegreiche Olympioniken und römische Feldherren wurden mit dem Lorbeerkranz belohnt.

Im Christentum lebt diese Symbolik weiter: Immergrün wird er zu den Marienkräutern gezählt und steht für Unvergänglichkeit und das ewige Leben. „Erkenne dich selbst!“ – diese zu Delphi in Stein gemeißelte Maxime, wird durch diese Pflanze wirkmächtig. „Vergiss nicht, dass du sterblich bist!“: Im Totenkult der vergangenen Jahrhunderte spielte der Lorbeer – zusammen mit Rosmarin und Zitrone – eine bedeutsame Rolle.

Genug der Mythen und der Historie. Wenden wir uns dem gebräuchlichen Umgang zu.

Unsere hochgeschätzte Kräuterfreundin Hildegard von Bingen empfiehlt Lorbeerblätter und die Rinde dieses Baumes um „deinen Magen von allem Unrat zu reinigen“. Weiter erfahren wir bei ihr: „Mach aus Blättern und Rinde eine Salbe. Und wenn du Kopfschmerzen hast, oder Schmerzen in der Seite oder im Rücken, dann salbe dich damit und es wird dir besser gehen – so Gott will. Und wenn du Kopfweh hast zerstoße die Körner der Frucht und gebe etwas Wein dazu und salbe den Scheitel und die Schläfen. …“ Schon die „alten Römer“ nutzten ihn als Arznei bei Leberleiden. Er soll Übelkeit beseitigen, das Gedächtnis und unser Nervenkostüm stärken. Er hat sich in Salben bei Rheuma, Blutergüssen und Hautproblemen bewährt. Heute wissen wir, dass Lorbeer entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, antiseptisch, appetitanregend und verdauungsanregend wirkt. Damit kommen wir von der Apotheke in die Küche. Wir haben ja verinnerlicht, was schon die alten Griechen lehrten: „Wenn wir das richtige Essen können wir Krankheiten vorbeugen. Essen wir das Falsche, leisten wir ihnen sogar Vorschub.“

Als Gewürz sind Lorbeerblätter fester Bestandteil in der großen und kleinen Küchenwelt.

Das kraftvolle und belebende Aroma übertönt weniger einnehmende Geschmacksnuancen in ausgiebig gekochten Brühen und unterdrückt „fischige“ Noten, bereichert also alle Brühen und Suppen. Die Blätter gehören zusammen mit Thymian, Sellerieblättern und dem Grün von Lauch zum berühmten „Bouquet garni“. Vor allem an herzhaften Zubereitungen ist Lorbeer rund um den Globus beteiligt. Kraut, Lamm, Hering, alles vom Wild – alles gewinnt durch sein Aroma. Alles Säuerliche wird nicht nur geschmacklich bereichert sondern profitiert auch von seinen keimtötenden Eigenschaften. Lorbeer ist ein natürliches Konservierungsmittel. Bratkartoffel – auch die figurfreundliche Variante, die im Backrohr zubereitet wird – mit Lorbeerblatt und Rosmarin: ein Hochgenuss! Bei uns wenig bekannt ist die Aromatisierung von Milchspeisen, vor allem Milchreis. Es ist wirklich wert, dies einmal auszuprobieren. Auch warme, gesüßte Milch schmeckt mit Lorbeer einfach besser.

Ich meine es lohnt sich für jeden, diesen Edlen aus Laurus wieder oder neu für sich zu entdecken.

 

Gott befohlen und herzlichst,
Ihr Pater Gerhard

„begeistert!“

Im Wissen, dass wir „begeistert“ sind feiern wir das Fest der „Begeisterung“, feiern wir das Fest des Geistes und der Wahrheit, feiern wir Pfingsten.IMG_0948 Gottes Geist ist es, der Ostern in uns, in der Kirche, in der Welt, in seiner ganzen Schöpfung perfekt macht.Er ist es, der das Oster-Ereignis andauern lässt, der es wirksam macht für uns und der es weiterführt in alle Zukunft, die Gott uns schenkt. Der Heilige Geist, der Beistand, kennt keine Schranken, er ist und wirkt grenzenlos.

Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Er weht wo er will. Der Geist ist es, der seine Gnadengaben verteilt und sonst niemand. Er schenkt seine Gaben, damit sie mir selbst und anderen zum Heil, zum „Nutzen“ gereichen.

Bekenntnis, Einheit in der Vielfalt und der Einsatz zum Wohl der ganzen Schöpfung gehören zusammen, sie sind eins, sie sind sozusagen der „Ausweis“ des Heiligen Geistes, wie Paulus bekennt. Und der Geist ist es, der uns drängt den anderen vom unserer Begeisterung zu erzählen, ohne dabei aufdringlich zu werden. Mehr noch:

Der Geist ermöglicht es uns, diese Begeisterung zu leben. Friede, Freude und Versöhnung haben hier ihren Ursprung. Der Beistand senkt uns die Liebe ins Herz,macht uns liebenswürdig und fähig zur Liebe.

Dies lässt uns auch erfahren, dass Gott auf der Seite der „Gebeutelten“ steht und sie erhebt. Nicht Ansehen oder Leistung zählen, sondern es ist das freie, unerzwingbare und geschenkte Entgegenkommen. Je größer nun meine eigene Liebe wird – das ist die Folge von dem bislang Gesagten – , umso weniger muss ich mich selbst behaupten. Der Geist wird es schaffen, davon bin ich überzeugt, dass das Christentum, die Form also wie wir uns Gott annähern, dass unsere Gemeinschaft liebenswert und lebenswert wird. Das wird geschehen, wenn wir echt und authentisch leben und den verkündigen, der das einzig wahre Glück verheißt.

Geistgewirkt hat Bischof Roald bei seinem Besuch hier bei uns gesagt:

„Die Zukunft kann nicht in der Verlängerung der Vergangenheit liegen!“  Er sieht eine Chance in der Rückkehr zu christlichen Grundwerten; zu verwirklichen in kleinen, in ihrem Streben nach Frieden und Geborgenheit verbundenen, familienähnlich überschaubaren Keimzellen, die, getragen von der Achtung des Nächsten, Rücksicht, Hilfsbereitschaft und Toleranz, ihr Christsein mit Leben erfüllen. Das klingt utopisch; ein Rückblick in die Geschichte zeigt indes: immer wieder stand am Anfang notwendiger, später mehr oder auch weniger segensreicher  Neuanfänge eine zunächst utopische Idee stand das Wehen und Wirken des Geistes und der Wahrheit. (unterdrückter Teil eines Zeitungsberichts von Brigitte Zirn)

 Dieser Geist kommt nicht, das dürfen wir nicht vergessen, weil wir beten, sondern ganz einfach, weil Gott uns eben liebt. Dieser Geist beseelt uns nicht weil wir gut sind, sondern, weil Gott einfach lieben will.

So lasst uns nun begeistert das Fest der Begeisterung feiern! Frohe Pfingsten!

Herzlichst Euer Pater Gerhard

Spiel des Lebens

SPIEL DES SCHÖPFERS

Nimm diesen Frühlingstag – ganz zeitig am Morgen

Grün leuchtet auf in unzählbaren Varianten und Nuancen.

Lebensenergie macht sich breit.

Leben bricht aus vermeintlich Totem hervor und macht mich lebensfroh

Nimm einen Sommertag, ganz in der Frühe.

Die Nacht verschenkt Tautropfen.

Die Blüten fragen, ob es Zeit ist sich zu verduften.

Die ersten Sonnenstrahlen kosen wärmend Haut und Haar.

Nimm einen Herbsttag, ganz in der Frühe.

Nebelschwaden schwängern die Fluren.

Die Blätter verschwenden ihre Farben.

Der Wald duftet –

und angesichts des Vergehens ist Ernte angesagt.

Die Früchte der Erde sind reif.

Nimm einen Wintertag, ganz in der Frühe.

Nacht und Tod tanzen den Reigen des Schöpfers.

Tief drinnen erahnt man

was das wortlose Kind der Mutter erzählt.

Das Amen wird geboren.

So ist es.

Sprich es aus.

Nimm einen Frühlingstag …                                     (Pater Gerhard)

Der „Tau des Meeres“ – Rosmarin: ein mediterraner Kräuterriese

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Es ist schon seltsam, dass eines unserer heute am bekanntesten mediterranen Kräuter, eben der Rosmarin, erst recht spät hoch geachtet wurde. Und das trotz der Reichsgüterverordnung Karls des Großen, der die Kultivierung von „Rosmarius officinalis“ in den Klostergärten seines Reiches angeordnet hat. Erst im 13./14. Jahrhundert wird seine Würzkraft entdeckt. Gerade einmal fünf Rezepte nennt das italienische Kochbuch (Liber de Coquina).

Hildegard von Bingen verschweigt ihn. Die Quellen der Klostermedizin sprudeln nicht. Wir Heutigen müssen uns ob dieses Sachverhalts die Augen reiben.

Ein betörender Duft entströmt dem „TAU DES MEERES“, der sich wohlfühlt in bewegter, feuchter Luft, der die Sonne liebt und wasserdurchlässige Böden: die Küsten des „Mare nostrum“, das sich derzeit aus menschengemachten Gründen negativ in den Medien wieder findet. Seit der Antike wird überliefert, dass Segler auf dem Mittelmeer, noch ehe sie es sehen konnten, die Nähe des Landes riechen konnten, wenn ihnen der ablandige Wind den Rosmarinduft zutrug. Das ist seine Heimat – da ist er zu Haus und nicht bei uns, im Gebiet nördlich der Alpen mit seinen festen Lehmböden und seinem ganz anderen Klima. Nichts zu spüren von Leichtigkeit. Ich habe noch keinen Rosmarin „gut über den Winter gebracht“.

Weit bekannter als seine Heilwirkung oder seine Verwendung als Würzmittel war seine magisch mythische Bedeutung. So findet sich die Überlieferung: „Der Brautkranz gewunden aus Rosmarin, erhält die Liebe ewig grün.“ Aber auch der Text von Georg Trakl: „Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau // Im Rosmarin hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen. // Spitäler wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen. Gebein steigt aus dem Erdbegräbnis morsch und grau.“ Shakespeare lässt in Hamlet Ophelia zum Besten geben: „… lieber Herr, gedenke meiner. Und da ist Rosmarin, das ist für die Treue.“  Leben, Liebe, Treue und Tod – alles ist vom Rosmarin umgarnt, umkränzt.

„Ungarisch Wasser“, aus Rosmarinblüten und Alkohol destilliert, versprach ewige Jugend. Alle Falten und Runzeln wurden durch dies Elixier glattgebügelt. „Klosterfrau Melissengeist“ ist ohne Rosmarin nur die Hälfte wert.

Vom Stiefkind der Klosterheilkunde hat sich Rosmarin zu einem der Hauptakteure der Phytotherapie entwickelt. Rosmarin hilft, in vielerlei Art und Weise, das Leben zu erleichtern. Er verleiht unseren Mahlzeiten einen guten Geschmack. Aber er kann bedeutend mehr.

Die Alzheimerforschung hat Wirkstoffe ausgemacht die hilfreich sein können, um das Leiden zu lindern. Bakterien und Viren und … und … sind nicht gut gelitten, wenn unser Körper dank dieses Kräutlein gestärkt und gegen sie gefeit ist. Es zentriert, beruhigt, hält uns wach und hilft unserem Herzen. Rosmarin verhindert den Abbau von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der im Gehirn für die Vermittlung von Botschaften notwendig ist und hält uns damit geistig rege. Rosmarin ist hochwirksamer „Rostschutz“ für unser Leitungssystem. Darüber hinaus steigert er den Blutdruck und stimuliert unseren Kreislauf. Stimmungsfördernd und belebend sind die kleinen feinen Blätter. Rosmarinwein (150 g in einem Liter gutem Rotwein; 14 Tage zum Ausziehen angesetzt) stärkt das Herz und das allgemeine Wohlbefinden. Und eine Kur damit: pflanzliches Viagra pur! Dieser „Druiden-Trunk“ hat es in sich! Ätherisches Rosmarin-Öl verhindert das Umkippen, Ranzig-werden von Ölen und Salben. Aber Achtung: dieses Öl wirkt in der Schwangerschaft abortiv.

Und in der Küche: Rosmarin-Bratkartoffel mit einem Lorbeerblatt – ein Genuss! Auf los geht’s los!

Rozmarin

Kraut des Monats: Die „Von Lauch“!

Pater-Gerhard-Kurse2 aus dieser wahrhaft „adligen“ Familie will ich Ihnen heute näher bringen. Die beiden finden sich ganz oben auf meiner pflanzlichen Wirksamkeitliste der heilsamen Nahrungsmittel. Es sind die „Edlen“ mit den Vornamen „Knob-“ und „Bär-„. Allium sativum und Allium ursinum. Es ist nun überall so weit. Das zarte Grün des Bärlauchs ist durch das alte Laub der Buchen gestoßen. Eine wahre Fülle an gesundem Kraut ist nun da. Für uns da. Der typische Lauchduft weht erst dann durch die Botanik, wenn ich mit der Ernte beginne. Und mit diesem heimischen wilden Lauch lassen sich wirklich Bärenkräfte wecken, die in einem stecken. Wer an Eisenmangel leidet hat mit diesem Kraut einen wirkmächtigen Einschleuser gefunden. Dieser Nutzen findet sich auch in der Kulturvariante Knoblauch, der aus Asien und dem Mittelmeerraum zu uns gekommen ist. Beide schützen zudem unser Herz, forcieren unsere Abwehrkräfte und wirken antiseptisch und beugen unerwünschten Kalkablagerungen vor. Und nicht zu vergessen: Sie verschaffen uns allen Platz in Masse! Je mehr diese Kräutlein duften – stinken – desto wirksamer sind sie für uns! Grüner Tee, Milch, Petersilie und Koriander haben die Fähigkeit diesen Geruch zumindest ein wenig zu unterdrücken.  Nun aber guten Appetit und gesunden Genuss.

Gott befohlen und herzlichst, Ihr Pater Gerhard

„Du führst mich hinaus ins Weite …“

ZU MEINER PERSON: Pater Gerhard, Jahrgang 1955 – ein „guter Jahrgang“. Fachkaufmann für Organisation, Theologe, geprägt durch die Zeit als Pfadfinder und als Soldat auf Zeit. Ehedem Versandleiter einer Brauerei im Allgäu.

Pater-Gerhard-Kurse

Seit 1999 ehrenamtliche Mitarbeit im „Brunnenhof“ Ebenweiler, einer Kräuterey in Oberschwaben Kräuterkundler als Autodidakt, eingewiesen durch Abt Klaus. Zusammen mit Br. Friedrich Hartmann Mönch in der Welt. Als dieser bin ich Mitglied einer ökumenischen Zisterzienserkongregation, dem Orden von Port Royal (OPR) und Priester der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland, die der altkatholischen Kirchenunion von Scranton angehört. Erdverbunden und dennoch himmelwärtsstrebend versuche ich, eine Ahnung vom Reich Gottes, das meint die Achtung vor der Wunderwelt seiner Schöpfung, seine Weite, Freiheit und Barmherzigkeit und den Nutzen der uns daraus erwächst ansatzweise Wirklichkeit werden zu lassen.