Kraut des Monats: die Karde

Wild und bewehrt kommt sie uns entgegen, die „Wilde Karde“ (Dipsacus fullonum / Dipsacus sylvestris). Der Name „Dipsacus“ kommt aus dem griechischen „dipsa“ und meint „Durst“. Nach einem Regenguss sammelt sich in den Trichtern der Stängelblätter Wasser. Eine Labsal für Vögel oder durstige Wanderer.

Zweijährig ist diese krautige Pflanze. Mannshoch mit stachligen Stängel und über und über mit spitzen, wehrhaften Spitzen übersät – so prägt sie sich uns ein. Die Grundblätter sind kurzgestielt und in einer Rosette angeordnet. Die kreuzgegenständigen Stängelblätter sind in der Basis paarweise zusammengewachsen und am Rand gekerbt.

Die „Weber-Karde“ enthält, für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen, das Glykosid Scabiosid, Terpene, Kaffeesäureverbindungen, organische Säuren, Glucoside und Saponine.

In der Antike und im Mittelalter wurden Zubereitungen aus der Wurzel der Karde äußerlich bei Schrunden und Warzen verwendet. Das Wasser, das die Karde zum Wohl der Wanderer in ihren Blattkelchen sammelt, galt als Schönheits-Elixier erster Wahl! Die Frau von Welt nutzte es äußerlich als Wundertonikum für eine glatte Haut.  In der Volksheilkunde wird die Wurzel gegen Gelbsucht und Leberbeschwerden, Magenkrankheiten, kleine Wunden, Gerstenkörner, Fisteln, Hautflechten und Nagelgeschwüre empfohlen. Nicht nur die Wurzel, nein, auch die wehrhaften Blätter wurden bei einer Vielzahl von Beschwerden verwendet. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurden Kardenblätter zusammen mit Essig auf den Bauch gelegt, um Durchfälle zu behandeln. Außerdem wurde es bei Gelbsucht („Es heylet und vertreibet auch alle gelbe / braune Flecken unter den Augen“) und bei Mundfäule verwendet.

Getrocknete Pflanzen liefern einen wasserlöslichen Farbstoff, der als Ersatz für Indigo galt.

Die stacheligen Blütenköpfe wurden in der „guten alten Zeit“ von Webern zum Aufrauen von Wollstoffen benutzt. Heutzutage kennen wir die getrockneten Blütenköpfe vor allem als floristische Zutat von Allerheiligen-Gestecken.

Und doch: auch heute werden Blätter und Wurzeln sowohl bei inneren als auch äußeren Beschwerden verwendet. Hauptsächliche Anwendungsbereiche sind Erkrankungen und Beschwerden der Verdauungsorgane und die Wundheilung. In der Signaturlehre wurde das derbe Blatt wird zum Symbol für unreine Haut mit allen nur denkbaren Krankheitsbildern. So wird die zur Paste verarbeitete stachlige Grünmasse zum Segen bei diverse Hautkrankheiten wie Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis und Co.

Viele der Krankheiten und Beschwerden, für die die Karde in der Volksmedizin von Bedeutung war, sind wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht worden, so dass konkrete schulmedizinische Beweise für deren Wirksamkeit ausbleiben. Nachvollziehbar ist es jedoch, dass die wilde Karde aufgrund ihrer Inhaltsstoffe entzündungshemmende, harntreibende, schweißtreibende und antioxidative Eigenschaften aufweist.

Die Kardenwurzel kann man als Tinktur oder Tee gegen Borreliose einsetzen, wenn eine Therapie mit Antibiotika nicht anschlägt oder auch begleitend zu einer Antibiotika-Behandlung. Dazu sollte sich dann eine „Überhitzungstherapie“ gesellen: Zweimal wöchentlich muss der geschundene Körper ein künstliches Fieber über sich ergehen lassen. Sechs Monate dauert diese Prozedur.  Der Einsatzzweck der Karde gegen Borreliose ist hochinteressant, denn naturheilkundliche Methoden gegen diese Krankheit sind rar und selbst Antibiotika können oft nicht helfen.

Die Kardenwurzel soll auch generell eine Stärkung des Immunsystems bewirken.

Ein gesunder Lebenswandel, ein Leben aus der inneren Mitte heraus ist ganz allgemein förderlich für alles, was uns aus „Gottes grüner Apotheke“ zukommt, zuwächst.

Gott befohlen und herzlichst – Ihr Pater Gerhard.

Unsere Gottesdienste im Juli

Freitag,          08. Juli, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Freitag,          15. Juli, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Samstag,       16. Juli, 19°° Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute

Freitag,          22. Juli, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Sonntag,       24. Juli, 11°° Uhr: Hl. Messe in der Abtei St. Severin

Freitag,          29. Juli, 19°° Uhr: Vesper mit Krankensalbung im Brunnenhof

Sonntag,       31. Juli, 10:30 Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute

ZUM VORMERKEN:

 1) „KIRCHENTREFFEN IN EBENWEILER“

 Vom 12.-14. August werden unser Bischof, Dr. Roald Nicolai Flemestad, seine Frau und Kirchenmitglieder aus Norwegen, Schweden, Frankreich, Italien und der Christ-Katholischen Kirche in Deutschland, insgesamt so um die 40 Personen, bei uns in Ebenweiler zu Gast sein. Unser Bischof wird Dr. Daniel Gerte aus Warstein und Klaus Klein aus Bogen im Dorfgemeinschaftshaus „Sonnenhof“ zu Diakonen und zu Priestern weihen.

Am Sonntag, den 14. August werden die beiden Neupriester ihren Primiz-Gottesdienst im Rahmen des Bildwiesenfestes mit Kräuterweihe im Brunnenhof feiern. Schon heute seid Ihr alle recht herzlich dazu eingeladen. Wir freuen uns über Kuchenspenden und Eure aktive Teilnahme. Das genaue Programm werden wir Anfang August veröffentlichen.

2) WALLFAHRT unserer Kirche nach „14-Heiligen“ am Samstag, den 17.9.

Pater Gerhards Termine im Juli

Montag,         4. Juli, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100. Themenschwerpunkt: Basilikum und Thymian.

Mittwoch,       6. Juli, 19°° Uhr: „Fit durch den Sommer“. Ein Vortrag im Gasthof Adler, Ebenweiler.

Donnerstag, 7. Juli, 9°° Uhr: Schwäbische Landfrauen zu Gast im Brunnenhof

Samstag,       9. Juli, 10°°-16°° Uhr: Kräuter-Tagesseminar in Wüstenrot – abgesagt

Montag,         11. Juni, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Dienstag,      12. Juli, 17°° Uhr: Kräuterführung in der Gärtnerei Negrassus in Überlingen, Rauensteinstraße 140

Samstag,       16. Juli, 10°°-16°° Uhr: „Ora et labora“ ein Kräuterintensivtag im BRUNNENHOF.

Montag,         18. Juli, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Mittwoch,       20. Juli, 18°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten im „Kreuz“ zu Mattenhaus, mit anschließendem Kräutermenü zum Kraut des Monats: Basilikum. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07524-97570

Donnerstag, 21. Juli, 18°° Uhr: Blüten zum Essen? – Echt gut! Ein Vortrag im, Landgasthof „Zur Sonne“ in Leupolz. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07506-9516940

Montag,         25. Juli, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Dienstag,      26. Juli, 18°° Uhr: Kräuterführung in der Gärtnerei Negrassus in Überlingen, Rauensteinstraße 140

Mittwoch,       27. Juli, 19°° Uhr: Winnetou lässt grüßen – Kräuter aus der Neuen Welt. Ein Vortrag im Brunnenhof.

Donnerstag, 28. Juli, 19°° Uhr: Mit Kräutern fit durch den Sommer. Vortrag in der Weinstube Kernler, Krauchenwies. Anmeldung direkt unter: 07576-1854

Auch für die Termine in Ebenweiler (Gasthof Adler / Brunnenhof) gilt: bitte anmelden! (07584 – 3233)

Betrachtungen über die Rose

Die Rose / Rosa. „Unter der Rose gesagt“: das sind Gedichte von Hans-Günther Saul, Gedichte der Scham, der Verschwiegenheit und des Gottvertrauens. „La vie en rose“, französisch für „Das Leben in Rosa“. Unnachahmlich besingt Édith Piaf in diesem 1945 geschriebenen Chanson die Gefühle einer verliebten Person, die ihrem Geliebten nahe und daher glücklich ist: „Wenn er mich in seine Arme nimmt, wenn er leise mit mir spricht, dann bin ich im siebten Himmel.“ Ein Gefühlsreigen, der immer schon mit der Rose, der „Pflanze der Sinnlichkeit“ in Verbindung gebracht wird.

Gärtner unterscheiden zwischen Wild- und Kulturrosen. In der griechischen Antike als „Königin der Blumen“ bezeichnet, werden Rosen seit mehr als 2000 Jahren als Zierpflanzen gezüchtet. Das aus den Blütenblättern gewonnene Rosenöl ist ein sündhaft teures Elixier und weit mehr als nur ein wichtiger Grundstoff für die Parfumindustrie.

Einer uralten Überlieferung nach soll die ROSE einst von der ersten Morgenröte auf Erden zurück geblieben sein. Von da an war sie das Attribut der jeweiligen Liebesgöttin.  Ihrer Anmut, ihres Wohlgeruchs und der zarten Blüten wegen avancierte sie bald zur „Königin der Blumen“. Bereits zur Blütezeit der ägyptischen Pharaonen galt sie als Universalheilmittel.

Hildegard von Bingen berichtet in ihrer „Physica“ über sie:

Die Rose ist kalt, und diese Kälte hat eine nützliche Mischung in sich. Am frühen Morgen … nimm ein Rosenblatt, lege es auf deine Augen. Es zieht den Saft, die Triefen, heraus und macht sie klar. … Und wer jähzornig ist, der nehme eine Rose und weniger Salbei und zerreibe es zu Pulver. Und in jener Stunde, wenn der Zorn ihm aufsteigt, halte er es an seine Nase. Denn der Salbei tröstet, die Rose erfreut. Rose werde genommen und die Hälfte davon Salbei unter Beigabe von frischem Fett, das zerlassen ist … damit daraus Salbe werde, und wo der Mensch vom Krampf oder von der Lähmung geplagt wird, dort soll er gesalbt werden, und es wird ihm besser gehen. Aber die Rose ist auch gut zu Tränken und zu Salben und zu allen Heilmitteln, wenn sie ihnen beigefügt wird, und sie sind umso besser, wenn ihnen etwas von der Rose beigefügt wird.“

Heutzutage gilt gesichert, dass in ihren Früchten, den Hagebutten, Fruchtsäuren, ein wahrer Vitamin-Cocktail, und eine breite Auswahl an Mineralstoffen enthalten sind. Dadurch wirken sie schwach abführend, harn- und schweißtreibend. Die Blüten betören durch kostbares ätherisches Öl. Außer der sinnlichen Komponente entfaltet sich, dank dem enthaltenen Geraniol, eine beachtliche antibiotische Kraft.  6000 Kilogramm Rosenblüten müssen gesammelt und destilliert werden, um einen Liter dieser kostbaren Substanz zu erhalten. Ätherisches Rosenöl besteht aus abertausenden Bestandteilen, von denen erst einige hundert analysiert worden sind. Ein Zauber, ein Geheimnis überlagert diesen Duft. Aber auch die vielen Gerbstoffe sind hilfreich. Sie wirken entzündungswidrig, wundheilend, pilzfeindlich, blutreinigend, antiallergisch, den Blutfluss hemmend und die Stimmung aufhellend.

So gesehen ein „Gedicht für jede Frau“! Die Rose gilt als Venusblume nicht nur für die Vagina. Und – : Männer wie Frauen profitieren von ihrem frohmachenden Wesen.

Stöbern wir noch etwas in der Geschichte. Die Heckenrose, als „Friggas Dorn“ der mütterlichen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin heilig, besaß Zauberkraft. Aus Dankbarkeit für den Beistand bei schweren Geburten vergruben nach gutem Verlauf Hebammen die Nachgeburt unter einem Rosenbusch. Der sagenhafte „Rosengarten“ des Zwergenkönigs Laurin war nichts anderes als eine blumige Umschreibung für Kampf, Blut, Tod und Untergang auf dem Schlachtfeld. „Rosen“ nannte man die durch ein Schwert geschlagenen Wunden und ebenso bezeichnete man besonders gute und wertvolle Schwerter. Die Rose steht für viele Geheimnisse. „Was wir hier kosen, bleibt unter den Rosen.“ Sub rosa dictum verpflichtete zur absoluten Vertraulichkeit. Papst Hadrian ließ deshalb mit Rosenschnitzereien Beichtstühle verzieren. Verbindet man jeweils die Spitzen der übernächsten Kelchblätter einer Rose miteinander, erhält man den Drudenfuß, das Pentagramm. Dieses uralte Zauberzeichen stand für das Geheimnisvolle. Die Rosenkreuzer, eine Geheimgesellschaft, führen die Rose als Symbol der Verschwiegenheit in ihrem Namen. Sinnreich spielt mit diesen Bezügen auch Umberto Ecco in seinem Roman „Der Name der Rose„. Den Alchemisten galt sie als Blume der Weisheit. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass eine christliche Deutung der Rose nicht ausbleiben konnte. Dabei tat man sich anfangs schwer mit der Rose als Blume der Aphrodite, der Venus und der Freya. In Goethes Gedicht vom „Heidenröslein“ symbolisiert sie die jugendliche Frische, Reinheit und Unschuld eines Mädchens. Diese bricht der wilde Knabe, auch wenn sich das Röslein wehrt und sticht.  Dennoch setzte sich die Rose als Sinnbild von Reinheit und Sittlichkeit durch und wurde zur ständigen Begleiterin der Gottesmutter, wie es auf unzähligen Bildern dargestellt ist. Maria wurde zur „Rosa mystica„. Die gotischen Kathedralen zieren im Westen in Richtung des alten matriarchalen Paradieses weisende Rosettenfenster, unter denen vor allem Maria verehrt wurde. Dem steht im Osten das männliche Kreuz des Erlösers gegenüber. Die Rose ist das Zeichen der Vergebung durch Christus und sie steht für den Opfertod der Märtyrer. Spätestens als 1208 die Gebetsschnur des heiligen Dominikus den Namen Rosenkranz erhielt, war die Aufnahme der Rose in das Christentum perfekt. Legende ist auch das Rosenwunder der heiligen Elisabeth von Thüringen. Goethe sagt von der Rose: sie ist „das Vollkommenste, das die Erde in unserem Klima hervorgebracht hat.“ In ihrer überbordenden Symbolik ist sie die beste Metapher für das Leben in allen seinen Facetten, an der kaum ein Dichter ohne wohlgesetzte Worte vorbeikam.

Nun sei ein Schluss gemacht! Laben wir uns an der Schönheit und am Duft der Rosen! Beides soll uns helfen! – So Gott will und wir dran glauben.

 

Herzlichst Euer Pater Gerhard

Biblisches von Pater Gerhard

Nichts bleibt wie es war, auch ich selber nicht. Nichts von dem, was ich weiß und will und zu haben meine. Ist also die Vergänglichkeit das Einzige, was dauert? Der Wahrheit, meiner eigenen Wahrheit, komme ich näher, wenn ich anders frage: Ein Mensch, den Gott angeschaut, angesprochen, den er geliebt hat, kann ein solcher Mensch jemals vergehen, als wäre nichts geschehen, als wäre nicht der lebendige Gott ihm begegnet?

Das Buch Kohelet ist im ERSTEN Testament ein seltsamer Text. Der Verfasser quält sich und seine Leser mit unbequemen Fragen, auf die er bei den Philosophen und Theologen seiner Zeit  keine Antwort bekommt. Was ist der Mensch? Wozu lebt er? Was nützen ihm Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht? –

Im Evangelium, der FROHEN BOTSCHAFT kehren diese Fragen wieder, freilich in einem ganz anderen Klima. Aller Reichtum verfällt, aber es gibt etwas Besseres, einen Reichtum „vor Gott“: nicht das, was der Mensch hat, sondern das, was Gott aus ihm gemacht hat. Denn das neue Leben der Gemeinschaft mit Christus erwarten wir nicht erst für die Zukunft. Durch den Glauben und die Taufe sind wir mit Christus gestorben und mit ihm zum Leben erweckt worden. In Christus sind wir eine neue Schöpfung geworden. Zu sehen ist davon noch nicht viel; wie Christus selbst sind auch wir gleichsam noch „verborgen in Gott“. Aber das Neue will Form und Gestalt annehmen in unserem Leben jetzt und hier. Nicht fromme Worte, sondern eine klare Lebensführung kann die Wahrheit und die Liebe Christi sichtbar machen. Jesus lässt sich nicht in den Dienst irgendeiner politischen Theologie stellen. Er sagt aber allen Menschen, wie es um die Welt bestellt ist und wie die Jüngergemeinde sich in dieser Welt zu verstehen hat. Vermögen und Erfolg bringen die Gefahr mit sich, dass der Mensch hart wird gegen andere Menschen und stumpf gegenüber dem Anspruch Gottes. Er wird ein praktischer „Atheist“: ein Mensch ohne Gott, nicht mehr fähig, die Wirklichkeit Gottes zu begreifen. Er verfehlt den Sinn seines Lebens. Sich nicht vorwärts zu bewegen, zu bleiben, wie man ist, sich auf das zu verlassen, was man hat, ist eine große Versuchung. Denn was man hat, kennt man, man fühlt sich darin sicher, man kann sich daran festhalten. Wir haben Angst vor dem Schritt ins Ungewisse, ins Unsichere, und vermeiden ihn deshalb. Jeder neue Schritt birgt die Gefahr des Scheiterns, und das ist einer der Gründe, weshalb der Mensch die Freiheit fürchtet. Dennoch: Wir sind auf dem Weg hinaus ins Weite. Ganz im Vertrauen auf Ihn. Und das ist gut so.

Pater Gerhards Angebote im Juni

Freitag, 3.–Sonntag, 5. Juni: Kräutertage in der Abtei St. Severin mit Kräuterführungen

Montag,         6. Juni, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Mittwoch,       8. Juni, 19°° Uhr: Kräuter für Weiberleit und Mannsbilder.  Entgegen dem Prospekt im BRUNNENHOF.

Freitag,          10. Juni, 16°° Uhr: Kräutervortrag, Gewächshaus der Stiftung Liebenau

Sonntag,       12. Juni, 11°°-17°° Uhr: Kräutertag im „Kreuz“ zu Mattenhaus

Montag,         13. Juni, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Dienstag,      14. Juni, 18°° Uhr: Kräuterführung in der Gärtnerei Negrassus in Überlingen, Rauensteinstraße 140

Mittwoch,       15. Juni, 18°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten im „Kreuz“ zu Mattenhaus, mit anschließendem Kräutermenü zum Kraut des Monats: Salbei. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07524-97570

Samstag,       18. Juni, 10°°-17°° Uhr: Ebenweiler Rosentag im Garten von Klaus und Ursula Kopf, Schlupfener Straße 14

Sonntag,       19. Juni, 11°°-17°° Uhr: Kräutertag im „Kreuz“ zu Mattenhaus

Montag,         20. Juni, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Montag,         20. Juni, 21°° Uhr: Mondscheinführung im Gewächshaus der Stiftung Liebenau: Kräuter für Weiberleit und Mannsbilder

Mittwoch,       22. Juni, 19°° Uhr: Frauenkräuter. Ein Vortrag im Brunnenhof

Donnerstag, 23. Juni, 19°° Uhr: Ein kulinarischer Ausflug an Mittelmeer. Die Welt der mediterranen Kräuter, Landgasthof „Zur Sonne“ in Leupolz. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07506-9516940

Freitag 24. Juni – Sonntag, 26. Juni: Klostermarkt in Raitenhaslach

Montag,         27. Juni, 18°° und 19°° Uhr: Führung durch den Kräutergarten auf dem Höchsten mit anschließendem Kräuterbuffet. Notwendige Anmeldung direkt unter: 07555-92100

Dienstag,      28. Juni, 18°° Uhr: Kräuterführung in der Gärtnerei Negrassus in Überlingen, Rauensteinstraße 140

Donnerstag, 30. Juni, 19°° Uhr: Kräuter für Weiberleit und Mannsbilder. Vortrag in der Weinstube Kernler, Krauchenwies. Anmeldung direkt unter: 07576-1854

Auch für die Termine in Ebenweiler (Gasthof Adler / Brunnenhof) gilt: bitte anmelden! (07584 – 3233)

Unsere Gottesdienste im Juni

Sonntag,        05. Juni, 11°° Uhr: Hl. Messe zum Kräutermarkt in der Abtei St. Severin

Freitag,          10. Juni, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Samstag,       11. Juni, 19°° Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute

Freitag,          17. Juni, 19°° Uhr: Hl. Messe mit integrierter Vesper im Brunnenhof

Vom 24.-26. Juni sind wir auf dem Klostermarkt in Raitenhaslach.

Das „Kraut der Unsterblichkeit“ – Jiao gu lan

„Kommt Leute, kauft’s, das gibt es nur bei mir, das Zauberkraut aus dem Fernen Osten, kauft’s und werdet uralt, sterbt gesund! Kauft das KRAUT DER UNSTERBLICHKEIT“! Mann/Frau fühlt sich zurückversetzt auf einen Jahrmarkt zu Ehren des Stadtheiligen „St. Penunzius“ im ausgehenden Mittelalter, auf dem Marktschreier, Marketender, Bader, Scharlatane und sonstige Schlitzohren versuchen, den Stadtbewohnern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das, was Gartencenter und Kräuterkatalog-Anbieter heute irgendwie in ähnlicher Manier anbieten und anpreisen, ist Gynostemma pentaphyllum, jiǎo-gǔ-lán.  Die „Rankende Indigo-pflanze“, ist ein Kürbisgewächs, das Wuchslängen von zwei bis vier Metern erreichten kann. Blätter der Pflanze werden als Gemüse, Salat oder Tee zubereitet. An nährstoffreichen Standorten treibt sie aus Wurzelknollen immer wieder neu aus. In seiner Heimat besiedelt das Wunderpflänzchen Dickichte und gedeiht in Höhenlagen bis 3200 Meter Meereshöhe, bevorzugt aber warmes und feuchtes Klima. Auch in unseren Gefilden ist es in der Regel winterhart. Wenn nicht – freut sich der Gärtner, wenn er Ihnen ein neues Exemplar verkaufen kann. Jiaogulan (sprich: „Dschiau-gu-lan“) wird seit Jahrhunderten in den bergigen Regionen Südchinas als ein belebender, vitalisierender und verjüngender Tee täglich getrunken. Viele nutzen die Pflanze auch als Salat oder spinatähnliches Gemüse. Der in dieser Gegend übliche Name „Xiancao“ heißt so viel wie „Kraut der Unsterblichkeit“, und die Leute dort sagen: „Es wirkt wie Ginseng, aber besser als Ginseng!“ In der Provinz Guizhou wird der überdurchschnittliche Anteil an über 100-Jährigen auf den dort verbreiteten, regelmäßigen Genuss von Jiaogulan zurückgeführt.  Mit den jungen, knackigen Triebspitzen lassen sich Salate um eine angenehme, exotische Komponente bereichern. Wenn Sie den Geschmack von echtem Ginseng kennen, werden Sie beim Naschen von den frischen Triebspitzen der Pflanze einen ganz ähnlichen, lakritzartigen Geschmack auf der Zunge haben.

1406 – während der Ming-Dynastie – wurde diese Pflanze erstmals im Buch „Heilkräuter gegen die Hungersnot“ beschrieben. 300 Jahre später findet sich in Europa eine erste Monographie. 1976 wurden – eigentlich rein zufällig – bei einer wissenschaftlichen Untersuchung, von Kandidaten für ein neues kalorienarmes Süßungsmittel, in Jiaogulan die gleichen Substanzen entdeckt, für die Ginseng berühmt geworden ist: die Ginsenoside. Es fand sich außerdem eine eigene Klasse von Saponinen, die sogenannten Gypenoside, die hauptsächlich für die wohltuende Wirkung verantwortlich sind. Seit einigen Jahren wird dieses Kraut aber nicht nur in China und Japan, sondern auch in den USA zunehmend beliebter als preisgünstige Alternative zu Ginseng. Jiaogulan hat als echtes Adaptogen keinerlei Nebenwirkungen im Gebrauch und wirkt ausgleichend, balancierend. Während Ginseng nur etwa 20 Saponine enthält, sind in Gynostemma über 80 dieser Inhaltsstoffe nachweisbar. Diese Saponine sind natürliche organische Verbindungen, die unter anderem an der Hormonsynthese beteiligt sind.

Was bewirkt nun dieses „Kraut der Unsterblichkeit“?

Es ist „Rostschutz“ für unser komplettes „Leitungssystem“, d.h. es ist ein äußerst wirksames Antioxidans, verbessert die Pumpleistung des Herzens, damit auch die allgemeine Durchblutung und hilft bei Herzrhythmus-Störungen.

Der Blutdruck wird, wie bei Ginseng, im normalen Bereich gehalten, zu niedriger Blutdruck wird angehoben.

Jiaogulan ist ein Herzstärkungsmittel ersten Ranges und verhindert die Verklumpung der Blutplättchen.

Durch das Zusammenspiel von besserer Kapillar- und Herzdurchblutung, Verbesserung des Blutbildes und anderer Faktoren erklärt sich die stoffwechselanregende Wirkung des Krauts, das auch unser Immunsystem stärkt und blutbildend wirkt. Dabei wird besonders die Bildung weißer Blutkörperchen unterstützt.

Blutzucker und Blutfette werden durch das „Kraut der Unsterblichkeit“ gesenkt,  insbesondere der LDL-Spiegel, das „böse Cholesterin“ und die Triglyceride. Deshalb sagt man ihm auch gewichtsreduzierende Wirkung nach.

Jiaogulan verhindert stressbedingte Krankheiten und sorgt fürs seelische Gleichgewicht. „Burn out“ kann damit zum Fremdwort werden. Ganz nebenbei: „Burn out“ ist meines Erachtens keine Krankheit, sondern es ist die sich selbst schädigende Eigenschaft, nicht  „Nein“ sagen zu können. Dieses Kürbisgewächs ist im weitesten Sinne und deftig derb ausgedrückt eine „für € 6,50 Leck-mich-am Arsch“ Pflanze, die, „Nein-zu-sagen“ hilft, die ausgleichend auf das Nervensystem wirkt und negativen Stress (z.B. Über- oder Unterforderung durch den Vorgesetzten) abbaut: überdrehte Nerven werden beruhigt, kraftlose wieder angeregt. Die Gesamtheit der Wirkungen sorgt für bessere Stressverträglichkeit des Organismus und eine Steigerung der Ausdauer.

Ich meine, das ist eine beeindruckende Litanei an positiven Wirkweisen. Mehr geht einfach nicht.

In diesem Sinne Ihnen einen gesunden Lebenswandel und viel Gottvertrauen.

Herzlichst Ihr Pater Gerhard

 

Das Maikraut Gundelrebe

GUNDERMANN, Glechoma hederacea, auch GUNDELREBE, ERDEFEU, ALLERMANNS THYMIAN oder ZICKELKRÄUTCHEN genannt.

Dieser wahre Menschenfreund wuchert mit seinen kriechenden Ausläufern im Rasen, liebt feuchte, kühle Stellen unter Hecken und am Mauerwerk. „Menschenfreund“ oder auch anthropochore nennt man das Pflänzchen deshalb, weil er sich wie Holunder oder auch Brennnessel mit Vorliebe in der Nähe von Haus und Hof breit macht. Wie Minze, Melisse, Dost, Thymian, Salbei, Bergbohnenkraut, Lavendel oder Rosmarin zählt der Gundermann zu den Lippenblütlern. Allen gemein ist das starke Aroma ätherischer Öle, welche die ganze Pflanze durchwallen. Diese aromatischen Öle haben etwas himmlisches an sich, was schon der Name „Äther“ verrät.

Bei Hildegard von Bingen lesen wir über die Gundelrebe: „Sie ist mehr warm als kalt, und sie ist trocken, und sie hat gewisse Kräfte der Farbstoffe, weil ihr Grün nützlich ist, so dass ein Mensch, der matt ist und dem die Vernunft verschwindet, mit erwärmtem Wasser baden und die Gundelrebe in Mus oder in Suppen kochen soll, und er esse sie entweder mit Fleisch oder mit Cucheln, und sie wird ihm helfen. Und wenn jemand mit Lauge seinen Kopf häufig mit ihr wäscht dann vertreibt er viele Krankheiten von seinem Kopf, und er verhindert, dass er krank wird. Aber wenn üble Säfte den Kopf wie doum plagen, so dass auch seine Ohren tosen, der bringe sie in warmem Wasser zum Sieden, und nach Ausdrücken des Wassers lege er sie so warm um seinen Kopf und sie mindert das doum, das in seinem Kopf ist, und öffnet sein Gehör. Und wer in der Brust und um die Brust Schmerzen hat, wie wenn er innerlich Geschwüre hätte, der lege die im Bade gekochte und warme Gundelrebe um seine Brust, und es wird ihm besser gehen.“

Die Grün-Donnerstags-Suppe war bei Hirten und Bauern sehr beliebt. So gab man auch den jungen Ziegen, den Zicklein, davon zu fressen, damit sie eine starke Fresslust entwickeln und kräftig werden. Ziegen fressen, im Gegensatz zu den meisten anderen Haustieren, sehr gerne das würzige, ölhaltige Kräutlein. Der eigentliche Grund aber ist in Vergessenheit geraten: Die weiße Geiß, die früh im Jahr ihre Zicklein wirft, galt bei den indogermanischen Völkern als das Tier der Göttin, welche die wonnige, sonnige Jahreszeit wiederbringt, die Felder und Wiesen erneut ergrünen lässt.

Die Bitterstoffe, vor allem das noch nicht erforschte Glechomin, regen die Verdauung an und stärken Herz und Leber. Die Gerbstoffe festigen und trocknen wundes, verletztes, eiterndes, wässriges, gequetschtes und schlecht heilendes Gewebe. Bei leichten Durchfallerkrankungen und wundem Zahnfleisch findet Tee aus der Pflanze aus eben diesem Grund ebenfalls Anwendung. Besonders bei eiternden Geschwüren zeigt die Gundelrebe, was in ihr steckt. „Gund“ ist das altgermanische Wort für „Eiter“, „Beule“, „faulige Flüssigkeit“ und „Gift“. In Tirol legt man Blättlein des Gundermanns auf die Wunden. Noch wirksamer ist das „Wunderkrautöl“. Das Rezept hat Susanne Fischer-Rizzi vor dem Vergessen bewahrt: „Man sammelt frische, blühende Stängel der Gundelrebe, presst sie in ein Glas und stellt dieses, fest verschlossen, für vier Tage an die Sonne. Am Boden des Glases sammelt sich eine helle Flüssigkeit. Diese wird abgeseiht und im Kühlschrank oder kühlen Keller aufbewahrt. Zur Hälfte mit hochprozentigem Alkohol versetzt, erhält man eine lange haltbare und hochwirksame Wundtinktur.“ Und Cotton Mather schreibt im Jahre 1724: „Da sich unsere Vorfahren aus diesem Kräutlein ihr Lieblingsgetränk brauten, galten die Engländer einst als die langlebigsten Menschen der Erde. Eine handvoll Gundermannblätter in Ale gekocht, morgens und abends getrunken, wirkt Wunder bei allen Kopfschmerzen, Entzündungen, geröteten Augen, Gelbsucht, Husten, Schwindsucht, Milz- und Steinerkrankungen und Verstopfungen jeglicher Art.“

Gundelreben-Kartoffelsuppe:  Kartoffel kochen und stampfen. Gewürfelten Speck, 1 Möhre und 1 fein gehackte Zwiebel dazugeben. Mit Brühe aufgießen und nach Geschmack würzen. Kurz vor dem Servieren fein geschnittene Gundelrebenblätter dazu geben.

Gundelreben-Eis: 2 Bananen und 1 Apfel schälen und fein zerkleinern. Den Saft einer Zitrone dazu geben. 5 g feingewiegte Gundelrebenblättchen samt den Blüten mit etwas Sahne pürieren. 300 g Sahne steif schlagen und unter die Masse heben. Mit Honig abschmecken, in Förmchen füllen und gefrieren lassen. Guten Appetit!

Gott befohlen und herzlichst – Ihr Pater Gerhard.

unsere Gottesdienste im April

Freitag,          01. April, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Sonntag.       03. April, 10:30 Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute

Sonntag,        10. April, 11°° Uhr: Hl. Messe in der Abtei St. Severin

Freitag,          15. April, 19°° Uhr: Hl. Messe mit integrierter Vesper im Brunnenhof

Freitag,          22. April, 19°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Sonntag,      24. April, 10:30 Uhr: Wir laden Sie ein, an der Heiligen Messe und der Uraufführung der Urban-Messe in der Pfarrkirche St. Urban zu Ebenweiler teilzunehmen

Freitag,          29. April, 19°° Uhr: Vesper zum Beginn der Ebenweiler Kräutertage im Brunnenhof mit Krankensalbung

Samstag,       30. April, 11°° Uhr: Geistiger Impuls zum Beginn der Kräutertage

Mein Aprilkraut: Estragon

das „Drachenkraut“ aus Artemis Garten

  Ursprünglich stammt der Estragon wohl aus dem fernen Osten. Im alten China wurde er schon zwischen 1000 und 2000 vor Chr. als Gewürz erwähnt. In Südeuropa kommt er auch schon seit langer Zeit wild vor. Die Römer benutzen ihn anscheinend nicht, wohl aber die Araber. Diese nannten ihn „tarhun„, was auf seiner späteren Reise nach Europa zu „dragon„(das meint „Drache“) wurde. Gegen alle bösen Mächte und Dämonen, gegen Drachen und üble Schlangen war er hilfreich. Ein Bündel frischen Krauts am Leib getragen sollte gegen diese Widernisse und auch gegen Schlangenbiss helfen. In Italien wird der Estragon erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. In Mitteleuropa tauchte der Estragon erst im 16. Jahrhundert auf. Tabernaemontanus (+ 1590) erwähnt ihn unter dem Namen „Drakonkraut„. Aus dem „drakon“ wurde in Frankreich „Estragon„.

Dieser Name hat sich dann auch in Deutschland eingebürgert. Hier eine Auswahl der volkstümlichen Namen:  „Dragon“, „Drakonkraut“, „Eierkraut“, „Escadron“, „Kaisersalat“, „Schlangenkraut“.

Estragon (Artemisia dracunculus) ist als Küchengewürz wohlbekannt, und wird vor allem in der französischen und italienischen Küche gern verwendet.  Sein Einsatz als Gewürz ist jedoch nicht nur wegen seines Geschmacks sinnvoll, sondern auch, weil er die Verdauungsorgane stärkt und dadurch bei der Verdauung von schweren Speisen hilft. Das ist nur wenigen bekannt. Daher wird er als Heilpflanze eher selten eingesetzt. Er wirkt harntreibend, schmerzstillend, bei Husten, Fieber, stärkt Galle und Nieren, ist hilfreich bei Rheuma, Vitamin-C-Mangel, Frühjahrsmüdigkeit, Nervosität und Schlaflosigkeit. Gicht und Wechseljahr-beschwerden lassen  sich mit dieser Pflanze gut behandelnd. Die Schulmedizin verwendet den Estragon kaum.  Der Inhaltsstoff Estragol macht wohl Angst. Die Volksheilkunde, vornehmlich die französische, verwendet den Estragon jedoch gerne. Und davon können wir hierzulande lernen: Wie bereits erwähnt ist der Haupteinsatzbereich des Drachenkrauts die Stärkung der Verdauungsorgane. Mit seinen Bitterstoff regt Estragon die Bildung der Magensäfte an. Daher wird er gerne als Gewürz von schweren Speisen verwendet. Die ätherischen Öle des Estragons helfen gegen Blähungen. Wenn nach längerer Krankheit der Appetit verlorengegangen ist, hilft Estragon. Auch gegen Schluckauf hilft das Kraut, wenn man die frischen Blätter kaut. Selbst gegen Wurmbefall soll Estragon helfen können, wenn man reichlich ihn denn reichlich verzehrt. Gegessen wie als Tee getrunken kann  Estragon auch die Tätigkeit der Nieren fördern und den Stoffwechsel anregen. Dadurch hilft er auch gegen rheumatische Erkrankungen und Gicht. Wasseransammlungen im Körper werden ausgeschwemmt. Durch die Phyto-Sterole, die im Estragon enthalten sind, wirkt das Würzkraut der Artemis regelnd auf den Menstruationszyklus und kann verspätete Monatsblutungen auslösen. Estragon sollte darum nicht in der Schwangerschaft angewendet werden. Da Estragon beruhigend wirkt, kann er auch gegen nervöse Unruhe und Schlafbeschwerden helfen. Gegen Zahnschmerzen und rheumatische Gelenkschmerzen bereitet man Breiumschläge aus den frischen Blättern.

Seine wichtigste Rolle spielt Estragon in der Küche, vor allem der französischen und der des Mittelmeerraumes. Da Estragon ein sehr starkes Aroma hat, sollte man ihn nur sparsam einsetzen, sonst würde er zu dominant und könnte alles andere übertönen. Weniger ist oftmals mehr! Außerdem hilft uns dieses würzige Pflänzchen, Salz zu sparen. (Das gilt übrigens für alle aromatischen Lippenblütler und deren feine Triebspitzen!) In der französischen Küche gehört das Kraut zu den sogenannten „fines herbes„: das sind Petersilie, Kerbel, Schnittlauch und Estragon. Estragon-Essig ist legendär, auch in Mayonnaisen und Kräuterbutter wird der „Kaisersalat“ gerne eingearbeitet. Man würzt Salatsaucen, kräftige Saucen und Gemüse- und Fleischgerichte mit ihm. Traditionell wird er auch gemeinsam mit Borretsch zum Würzen von eingelegten Gurken und Kürbissen verwendet.

Gott befohlen und herzlichst –

Ihr Pater Gerhard.

Gottesdienste im März

Mittwoch,     09. März, 18°° Uhr: Vesper mit gemeinsamer Feier der Umkehr und Versöhnung im Brunnenhof

Sonntag,        13. März, 11°° Uhr: Hl. Messe in der Abtei St. Severin zum Ostermarkt

 Freitag,          18. März, 18°° Uhr: Kreuzwegandacht im Brunnenhof

Sonntag,       20. März, 10:30Uhr: Feier des Palmsonntag  in der Hofkapelle Ragenreute

Donnerstag, 24. März, 18°° Uhr: Gründonnerstag einmal anders – wir feiern die Pessach Haggadah und bitten um Anmeldung, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Freitag,          25. März, 15°° Uhr: Liturgie vom Karfreitag in der Hofkapelle Ragenreute

26./27. März: Feier der österlichen Tage in der Abtei St. Severin.

 Montag,         28. März, 10:30 Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute zum Emmaus-Gang

Die „von Lauch“ – Mein Kraut im März

Zwei aus der Familie derer von „Lauch“ …

… will ich Ihnen heute näher bringen. Und die finden sich ganz weit oben auf meiner „Wirksamkeits-Liste“ der „heilsamen Nahrungsmittel“. Es sind dies die „Edlen“ mit den Vornamen „Knob-“ (Knoblauch, Allium sativium) und „Bär-“ (Bärlauch, Allium ursinum). Es ist bald soweit. Zeitig im Frühjahr spitzelt das zarte Grün der Bärlauchpflänzchen durch das alte Laub der Buchen. Mit der Zeit ist im Schlosspark zu Krauchenwies und an vielen Stellen in unseren Wäldern alles übervoll davon. Noch ist die Luft nicht schwanger vom typischen Bärlauchduft. Der wird sich erst im Juni einstellen, kurz bevor das Grün wieder verschwindet.

Von manchen Zeitgenossen höre ich, dass der Bärlauch, wenn er dann zu blühen beginnt, giftig wird. Das ist völliger Nonsens! Was gut und hilfreich ist – wie soll es plötzlich schädlich werden? Richtig ist, dass dann, wenn sich die wunderschönen Blütensterne zeigen, das Laub fad und fest wird. Die ganze Kraft der Pflanze ist nun in die Blüten gestiegen. (Probieren Sie die kleinen Blüten an Salat, auf Suppen … und Sie werden begeistert sein!) Und ist’s dann ausgeblüht versammelt sich die Wirkmacht in den kleinen grünen Samenständen, die ebenfalls eine Delikatesse sind. (Süß-sauer eingemacht gibt es einen leckern Kapern-Ersatz.) Und auch die Zwiebelchen haben es in sich.

Ein Wort zur Verwechslungsgefahr: Der Herrgott hat uns Sinne und Werkzeuge geschenkt, mit denen „die Geister“ unterschieden werden können. Das Auge, die Nase und die „Herrgotts-Gabeln“, meine Hände. Nur der Bärlauch verströmt nach dem Abbrechen des Stängels den typischen Duft, der ganz anders ist, als der von Maiglöckchen oder dem Grün der Herbstzeitlose.

Mit dem heimischen „wilden Lauch“ lassen sich alle Bärenkräfte wecken, die in uns schlummern. Bärlauch ist eine „Eisenpflanze“. Wer an Eisenmangel leidet, bzw. bei wem die Eisenaufnahme gestört ist, hat mit ihm einen wirkmächtigen Einschleuser gefunden. Diese Kräfte finden sich auch in der Kulturvariante, die aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum zu uns gekommen ist, dem KNOBLAUCH (Allium sativum). Wer diesen aber nicht verträgt soll sich vertrauensvoll an die heimische Art wenden, den „Ramsen“, „Waldlauch“, die „Hexenzwiebel“ oder den „Zigeunerlauch“, wie der Bärlauch im Volksmund genannt wird.

Beide verfügen über das Herz schützende Eigenschaften und haben eine abwehrsteigernde und antiseptische Wirkung. Und nicht zu vergessen: sie verschaffen einem Platz und Raum! Sie enthalten die Schwefelverbindung Alliin, die „bei Gebrauch“ in das äußerst gesunde Allicin umgewandelt wird. Zahlreiche Verbindungen hemmen die Blutgerinnung, sorgen für einen gleichmäßigen Blutfluss und bekämpfen effektiv Erkältungen und andere Infektionen. Neueste Forschungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass im Knoblauch enthaltene Verbindungen Zellveränderungen im Körper verhindern, die Krebs verursachen könnten. Zum „Gestank“ ist anzumerken: je mehr der Knoblauch stinkt, desto besser wirkt er! Und wie bereits gesagt: das ist’s was mir Platz verschafft!

Grüner Tee, Petersilie und Koriander haben die Fähigkeit, den Geruch zumindest ein wenig zu unterdrücken.

Nun aber: Guten Appetit und gesunden Genuss.

Gott befohlen und herzlichst,

Ihr Pater Gerhard

 

Gottesdienste im Februar

Freitag,          12. Februar, 18°° Uhr: Vesper im Brunnenhof mit Aschesegen

Sonntag,       14. Februar, 10:30 Uhr: Heilige Messe in der Hofkapelle Ragenreute

Freitag,          19. Februar, 18°° Uhr: Vesper im Brunnenhof

Sonntag,        21. Februar, 11°° Uhr: Hl. Messe in der Abtei St. Severin.

Freitag,          26. Februar, 18°° Uhr: Vesper mit Krankensalbung im Brunnenhof

Sonntag,       28. Februar, 10:30 Uhr: Hl. Messe in der Hofkapelle Ragenreute

Calendula

Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler. Pflanzenteile werden in der Naturheilkunde verwendet. So oder ähnlich beginnen die meisten Pflanzenbeschreibungen. Ich finde, viel zu lapidar, zu gewöhnlich für dieses lebenshungrige einjährige Kraut, das auch „Butterblume“, „Sonnenwendblume“, „Ringelrose“, „Goldblume“ oder „Totenblume“ genannt wird.

Schon die alten Ägypter nutzen dieses Blümlein als Jungbrunnen, das immerwährende Jugend verleihen soll. Die „Ringel, Ringel Rose“ (so der Titel eines altes Spiellieds aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert) war einst den Sonnenbräuten geweiht, die der nordischen Göttin Freya und später auch der „Maria Himmelskönigin“ unterstellt waren. Calendula ist ein Sinnbild der Erlösung nach dem Tod und Zeichen des ewigen Lebens. Ihr Name „Totenblume“ ist in ihrem Geruch begründet, der manche an Verwesung erinnert.

Calendula, die Ringelblume, war immer schon mit der Liebelei verknüpft.  Sie soll sich auch zur Liebesweissagung im Traum verwenden lassen: Sie wird gemeinsam mit Sommerkräutern getrocknet, gemahlen und mit Honig und Essig zu einer Salbe verarbeitet. Junge Frauen trugen die Salbe auf, bevor sie zu Bett gingen und riefen den Heiligen Lukas an, sie von ihrer großen Liebe träumen zu lassen. Es ist die Blume, die man klassischerweise für die Frage „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ verwendet. Das Abpflücken der Blumen soll allerdings Gewitter heraufbeschwören.

Die sonnengleiche Blume vollzieht den Lauf der Sonne nach: mit dem Anbruch des Tages öffnet sie ihre Blüten und verschließt sie, sobald die Sonne untergeht. Bei Bauern stand die Ringelblume in hohem Ansehen, weil sich mit ihrer Hilfe das Tageswetter voraussagen ließ. Waren die Blüten zwischen 6 und 7 Uhr bereits geöffnet, so versprach dies einen schönen sonnigen Tag. Waren sie jedoch nach 7 Uhr noch geschlossen, so musste mit Regen gerechnet werden.

Die Ringelblume ist nicht nur als Heilpflanze bekannt, sondern steht auch in vielen Gärten als besonders üppig blühende Zierde. Ab Juni taucht sie viele Bauerngärten in leuchtendes Orange.

Hildegard von Bingen weiß: „Die Ringelblume ist kalt und feucht und hat viel Grünkraft in sich. Und sie ist gut gegen Gift. Denn wer Gift isst, oder wem es verabreicht wurde, der koche Ringelblume in Wasser. Das Ausgedrückte auf den Bauch gelegt und das Gift entweicht… Und wer den Grind am Kopf hat, der nehme Blüten und Blätter und er drücke den Saft davon aus, und dann bereite er mit diesem Saft und etwas Wasser und Semmelmehl einen Teig, und dann lasse er damit seinen ganzen Kopf mit Tuch und Mütze verbunden, bis er sich erwärmt und bis der Teig zerrissen wird, und dann nehme er ihn weg. Und so tue er es während neun Tagen. Und sooft er den Teig von seinem Kopf wegnimmt, sooft habe er eine Lauge aus Ringelblumensaft bereit, und er wasche seinen Kopf ebenso oft damit, und er wird geheilt werden.“ (Physica, Heilkraft der Natur, Cap. 1-122)

Ringelblumen werden in der Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben verabreicht. In der Volksmedizin wird die Ringelblume als schweiß-, harntreibendes Mittel, das krampflösende, wurmtreibende Wirkung zeigt und gegen Leberleiden eingesetzt.

Pharmazeutisch werden die getrockneten ganzen, bzw. die zerkleinerten Blütenkörbchen, oder die getrockneten Zungenblüten verwendet. Die pharmazeutische Droge wirkt entzündungshemmend und fördert die Bildung von Granulationsgewebe und damit die Wundheilung. Bei Magen- und Darmgeschwüren wird sie innerlich angewendet. Äußerliche Anwendung findet sie bei Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden, bei Quetschungen, Furunkeln und Ausschlägen.

In der Lebensmittelindustrie wird die Ringelblume als Farbstoff eingesetzt, unter anderem bei Käse und Butter. In Teemischungen dient sie als Schmuckdroge. In der Vergangenheit diente sie zum Verfälschen von Safran.

Im Garten vertreibt Calendula durch Wurzelausscheidungen im Untergrund wirkende Schadorganismen.

Ein in allen Belangen heilsames Schöpfungsgut begegnet uns in der kinderfreundlichen  „Ringel, Ringel Rose“.

Gott befohlen und herzlichst –

Ihr Pater Gerhard.

Fenchel – mein „Oktoberkraut“

FENCHEL ist das erste Kraut, mit dem wir als Menschen in „Berührung“ kommen. Im Leib der Mutter haben wir uns wohlgefühlt. Immer satt, rund um versorgt, auch wenn es dann irgendwann doch recht eng geworden ist. Dann der Schritt durch die „Pforte des Lebens“, die Nabelschnur durchtrennt, abgenabelt und darauf angewiesen mittels einer ganz neuen Technik den Nahrungsbrei aufzunehmen. Saugen ist angesagt. Umständlich ist dies. Ein ganz neuer Geschmack und Luft wird mit verinnerlicht. Das Ränzlein beginnt zu zwicken und zu zwacken. Da hilft nur noch: Brüllen wie am Spieß. So wird Muttern genötigt Fencheltee zu trinken, damit ihre Milch mit den Inhaltsstoffen des Samens durchsetzt wird. Und siehe: es wirkt! Ruhe kehrt ein. Der kleine Mensch gewöhnt sich eben an so Manches. So schafft Fenchel beim neuen Erdenbürger und seiner Mutter ein frohes Gemüt. Das gilt dann aber auch für alle anderen, die am Fenchel Geschmack gefunden haben. Zu denen gehörten schon die alten Babylonier, bei denen schon um 3000 vor Christus der Gebrauch dieses Heilkrauts nachzuweisen war.

Johann Anton Weinmann (1782–1858), ein deutscher Botaniker, wusste: „Dem Fieber und dem Gift kann Fenchel widerstehen. Er macht den Magen rein und dient recht hell zu sein.“

Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zur Familie der Doldenblütler und ist eine heute weltweit verbreitete Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze. Eine alte deutsche Bezeichnung für den würzigen Doldenblütler ist „Köppernickel“. Auch als „Felsknolle“ oder „Brotsamen“ ist er bekannt.

Im Fencheltee begegnet uns ein alter Heiltrank „Wider den Teufel“ und das Schlankheits- und Schönheitsmittel der römischen Damen! Hildegard von Bingen wusste über „de Feniulo“: „Der Fenchel hat angenehme Wärme und ist weder von trockener noch von kalter Natur. Und wie auch immer er gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß und er verursacht eine gute Verdauung und er unterdrückt den üblen Geruch seines Atems und er bringt seine Augen zum klaren Sehen … Sogar ein Mensch, den die Melancholie plagt, der zerstoße Fenchel zu Saft, und er salbe oft Stirn, Schläfen, Brust und Magen, und die Melancholie in ihm wird weichen.“ (Physica, Heilkraft der Natur, Cap. 1-66)

Weiterverarbeitet und genossen werden einerseits die Knollen (vor allem in Salaten, Gemüsegerichten und als Beilage zu gedünsteten Fischgerichten), andererseits die Samen, die mit dem Anis vergleichbar sind. Letztere werden manchmal als Gewürz in Schwarzbrot mitgebacken oder zu Tee aufgegossen, wie wir zum Beginn dieser Geschichte bereits gehört haben. Fencheltee gehört neben Pfefferminz- und Kamillentee zu den meistgeschätzten Kräutertees. Oft wird er als Mischung in Kombination mit Anis und Kümmel angeboten.

Neben Verdauungsbeschwerden können die in den Früchten enthaltenen ätherischen Öle durch ihre antibakterielle Eigenschaft auch Atemwegsbeschwerden lindern. Fenchel regt den Appetit an, wirkt verdauungsfördernd, beruhigend und krampflösend. Nach einem guten Essen und Knoblauch-Genuss sorgen die Samen als „Mund-Erfrischer“ für einen guten Atem. Entzündungen der Augen lassen sich mit dem Dampf der Körner lindern. Das wissen bereits die meisten antiken Quellen.

Fenchel gehört traditionsgemäß zu Fisch. Gegrillter Seebarsch und Rote Seebarbe werden auf getrocknetem Fenchel flambiert. Er wird Saucen und Hackfleisch beigemischt. Fein gehackte Fenchelblätter nimmt man in geringer Menge zum Würzen von Suppen, Salaten, Mayonnaisen und für die „Sauce vinaigrette“. Die Genfer Longeole, eine Rohwurst-Spezialität, wird traditionell mit Fenchelsamen aromatisiert. Auch die Pollen des Fenchels können als Gewürz verwendet werden, sie sind sehr aromatisch und schmecken süß. Aufgrund der aufwändigen Produktion ist das Gewürz vergleichsweise teuer, zudem werden die Pollen nur in geringen Mengen geerntet. Fenchelpollen werden auch als „Gewürz der Engel“ bezeichnet. Fenchel findet darüber hinaus auch in einigen Spirituosen Verwendung. Häufig dient er dabei zur geschmacklichen Abrundung eines Getränkes, das als einen der Hauptbestandteile Anis enthält, wie Absinth oder Pastis.

2009 war Fenchel Arzneipflanze des Jahres 2009. Und noch etwas: Fenchel mag nicht zum Dill, obwohl sie einander doch so ähnlich sehen!

Gott befohlen und herzlichst –

Ihr Pater Gerhard.                                              Foto Fenchel_Makrodepecher_pixelio.de

Septemberkraut – Kapuzinerkresse

Schmackhaft und zugleich ein mildes Antibiotikum, das ist die „Pflanze der Liebe“, die „blutrote Blume aus Peru“. Als traditionelle Heilpflanze nutzten schon die Inkas die Kapuzinerkresse. Heute ist die aus Peru stammende Pflanze ein beliebtes Ziergewächs in vielen Gärten. Sie bringt Feuer und gute Laune in den Garten oder auf den Balkon. Denn wenn man sie so inmitten der anderen Kräutern sieht, trumpft sie auf mit ihren feuerroten- und gelben Blüten und sie kann ganz schön groß werden, je nachdem, welche Sorte man zu sich geholt hat. In der Welt der Gärtner firmiert dieses Kraut, das an heißen Sommerabenden kleine, feurige Funken auszusenden vermag – so weiß es ein Pflanzenmärchen -, als „Tropaeolum“. Dieser seltsame Name leitet sich von einem griechischen Wort ab, das ein antikes Siegessymbol bezeichnete: Ein Gerüst, das mit Waffen besiegter Gegner behängt war. Carl von Linné, den „alten Schweden“ der die Namensgebung von Pflanzen revolutionierte, erinnerte die Formen der Blätter an Schilde und die der Blüten an Helme. Die Blüten sind etwa fünf Zentimeter groß und ausgesprochen dekorativ. Am hinteren Ende haben sie einen Sporn, der ein wenig an die Kapuzen von Mönchskutten erinnert. Diese Sporne haben der Pflanze den Namen Kapuzinerkresse eingebracht.

Dass man die Kapuzinerkresse essen kann, ist inzwischen vielen bekannt. Aber nicht nur die Blüten, sondern auch ihre Blätter, Knospen, Samen und ihre Stängel sind essbar. So gibt es viele leckere Varianten für Kapuzinerkresse Rezepte, auch wenn die Blüten noch auf sich warten lassen. Die Pflanze verleiht Speisen eine angenehme Schärfe ähnlich wie Kresse, Meerrettich, Radieschen und Senf. Hervorgerufen wird die Schärfe durch Senföle, die in der Pflanze eigentlich eine Schutzfunktion einnehmen und die erst dann entstehen, wenn wir dieses Kräutlein schnabulieren. Sie sind es auch, die das Wachstum von Viren, Bakterien und Pilzen hemmen.

Inzwischen ist es hieb- und stichfest belegt: Natürliche Antibiotika aus Kapuzinerkresse und Meerrettich sind bei einfachen bakteriellen Atemwegsinfektionen genauso wirksam wie synthetische Mittel – und das ohne Nebenwirkungen!

Beeindruckend sind die Heilkräfte der Kapuzinerkresse hier habe ich einfach mal das Wichtigsten aufgelistet:

  • Sie fördert die Verdauung, kann Verstopfung bekämpfen.
  • Sie kann leicht erhöhte Cholesterinwerte senken.
  • Sie wirkt blutreinigend.
  • Die „Salatblume“ kann Keime abtöten. Daher nennt man sie auch das Antibiotikum aus dem Garten.
  • Sie ist eines der besten Naturmittel, um eine beginnende Erkältung abzuwehren, denn die Heilpflanze kann auch Viren bekämpfen und Gifte aus dem Körper abtransportieren.
  • Die Kapuzinerkresse hat auch bei Müdigkeit eine stark belebende Wirkung.
  • Sie reinigt Nieren und Galle und fördert den Aufbau der Darmflora, der Welt der positiven Bakterien im Darm.
  • Die „Blumenkresse“ liefert reichlich Vitamin C und A sowie alle aus der Gruppe der B-Vitamine, außerdem: Kalium, Calcium, Eisen und Phosphor. Besonders interessant sind die sanften Jod-Gaben, die für diejenigen wichtig sind, die Schwierigkeiten mit ihrer Schilddrüse haben.
  • Kapuzinerkresse kann darüber hinaus das, was herkömmliche Kresse nicht kann: Sie versorgt uns mit dem Spurenelement Chrom. Und Chrom steuert das Satt-Sein. Wer abnehmen will, sollte jeden Tag 3 gehäufte Esslöffel kleingeschnittene Blätter von der Kapuzinerkresse konsumieren – etwa auf einem Brot mit ganz wenig Butter. Sie sind dann mit weniger Essen schneller satt.
  • Und sie hat eine tolle Eigenschaft: sie wirkt gegen einige Pilze. Sprosspilze und andere Candida-Spezies mögen sie gar nicht und reagieren hochempfindlich.

Bei übermäßigen Verzehr jedoch, kann es zu Magen-Darm-Reizungen kommen, vermutlich verursacht durch die Senföle. Ich selber konnte aber noch nichts davon wahrnehmen trotz längerem Gebrauch. Aber sind wir mal ehrlich, auf chemische Medikamente reagiert unser Körper auch oft mit Sodbrennen und dann wird oft einfach ein Zusatzmedikament gegen dieses neue Symptom verschrieben.

Gott befohlen und herzlichst – Ihr Pater Gerhard.

Verveine – (mein) Sommernachtstraum

Mein Favorit unter den Duftpflanzen:

Die Zitronenverbeneein Sommernachtstraum. Nichts an Aroma deucht mich reiner und feiner – Zitrone pur. Foto Zitronenverbene

Wenn ich mit meinen Händen durch die harten Blätter streiche und eine Nase voll einatme: es ist wie ein Aufbruch ins Weite! Freiheit lässt sich atmen! Dieser Duft befreit mein Hirn von Engführungen und Traurigkeit.

Aloysia triphylla /citrodora, auch als “Duftendes Eisenkraut” bekannt, stammt ursprünglich aus Südamerika. Uruguay, Argentinien, Chile und Peru sind seine Heimat. Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa gebracht, fand die Pflanze aus der Familie der Eisenkraut-gewächse im Süden Frankreichs eine neue Heimat. Verveine-Plantagen wurden angelegt. Zitronenaroma und Lavendelduft – das Geruchserlebnis der Provence. Noch bis in die 1920er-Jahre führte auch bei uns fast jede Baumschule diesen Strauch mit den hocharomatischen Blättern in ihrem Sortiment. Wintergärten wurden damit geschmückt.

Leider ist dieser Strauch nicht winterhart, verliert zudem noch sein Laub und wartet lange mit dem Neuaustrieb.

Heute ist er bei Feinschmeckern und Kräuter-Liebhabern wieder ein Begriff. Die Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Schweinefleisch- und Pilzgerichte, manch alter Hammel (zwei oder vierbeinig) und Fisch gewinnen durch ihren Geschmack. Wesentlich häufiger aber werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. In Milch eingelegte Blätter verzaubern „Panna Cotta“ in eine hocharomatische Köstlichkeit.

Aus den frischen und getrockneten Blättern wird ein leckerer Tee bereitet. Legt man frisch gepflückte Zitronenverbenen-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, erhält man einen angenehm erfrischenden Tee mit leicht beruhigender und stoffwechselanregender Wirkung. Als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee ist er in Frankreich sehr beliebt und bekannt als „Verveine“. Wenn Sie einen wirklich gut schmeckenden Kräutertee suchen – probieren Sie diesen zuerst!  „Verveine“ gibt auch einem wohlschmeckenden Kräuterlikör den Namen. Zitronenverbene wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen. In Grasse wird destilliert und Marseilles ist der Hauptort des Seifensiedens. Kostbares ätherisches Öl wird in Grasse mittels Wasserdampfdestillation aus den Blättern gewonnen. Verveine-Wasser hat eine unbeschreibliche „Hallo-Wach!“-Funktion, kühlt beispielsweise als Eau de Toilette oder Rasierwasser geplagte Haut und vertreibt Insekten. Säckchen oder Bündel dieses Krauts bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Da Zitronenverbenen appetitanregend sowie verdauungsfördernd sind, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Zudem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und damit in Verbindung mit den anderen Eigenschaften auch bei Erkältungskrankheiten. Zudem verfügt Verveine über  keimhemmende Eigenschaften.

Das „Duftende Eisenkraut“, Zitronenverbene, mehr als nur ein Sommernachtstraum!

Gott befohlen und herzlichst

Ihr Pater Gerhard

Basilikum – mein Kraut des Monats

 

Sommer, Sonne, Siesta und Fiesta. Dolcefarniente – süßes Nichtstun.  Erinnerungen an einen Urlaub im Land, in dem nicht nur „die Zitronen blühen“. Vollreife rote Tomaten, weiße Mozzarella, gutes Öl, bester Essig, Salz, Pfeffer und das Grün und der Geschmack von Basilikum. Das Aroma und die Nationalfarben Italiens tun sich auf. Schon sind wir mitten im Leben und ganz bei unserem Thema.

Basilikum, „Kraut des Königs“, „Königsbalsam“, „herrschaftliches Kraut“, „Balsamkraut“ und … viele Namen kennt Ocimum basilicum, der wohlschmeckende und so gesunde Lippenblütler. „Basilikos“  bedeutet „königlich“, wohl wegen des würzigen, edlen Duftes, und „Ocimum“  leitet sich vom Griechischen „ozein“ für „riechen“ ab. Nutzen Sie Ihre „Herrgotts-Gabeln“ (Ihre Hand samt den Fingern), kosen Sie das zarte Laub, schließen Sie die Augen, nehmen Sie den Duft in sich auf. Das Aroma ist überwältigend. Ich spreche dann immer von einer „vegetarischen Schlachtplatte“, da das Geruchserlebnis wahrhaftig dem einer frischen Blutwurst entspricht – und das vollkommen vegan!

Etwa sechzig Arten gehören zu dieser Gattung. Ursprünglich hatten sie im östlichen Mittelmeerraum, den gemäßigten Zonen Afrikas und Südamerikas ihre Heimat. Heute werden die gängigsten Sorten rund um den Globus angebaut. Uns betören die Aromen, die frische Salate, Weichkäse, Fisch, Gemüse und Suppen aufpeppen. Das Kraut hilft uns Salz zu sparen! Wunderbar schmecken Genoveser-Basilikum, die rotblättrigen Sorten, Zitronen-, Zimt-, Thai-  „Heiliges“ Basilikum und …

Eigentlich einjährig, gibt es einige Arten, die ausdauernd, aber eben nicht winterhart sind.

Seit 3000 Jahren nutzen wir Menschen Basilikum zum Zweck der Ölgewinnung, als Gemüse, Gewürz, Zierpflanze, als heilmächtiges Kraut aus Gottes grüner Apotheke, dem auch liebes- und luststeigernde Wirkung nachgesagt wird.

Die darin enthaltenen ätherischen Öle, Vitamine, Makro- und Mikronährstoffe bewerkstelligen, dass Basilikum verdauungsfördernd, appetitanregend, hustenstillend, nervenberuhigend, schlafanbahnend, potenzstärkend, erotisierend und milchvermehrend wirkt. Auch als „Rostschutzmittel für unser Leitungssystem“ (Antioxidans) tut es seinen guten Dienst.

Hildegard von Bingen berichtet in ihrer „Physica“ (1-230):Basilikum ist kalt. Aber ein Mensch, der an seiner Zunge die Lähmung hat, so dass er nicht sprechen kann, der lege Basilikum unter seine Zunge, und er wird die Sprache wiedererlangen. Aber auch wer starke Fieber hat …  der koche Basilikum in Wein und gebe Honig bei, und er seihe das, und er trinke das oft nüchtern und nach dem Abendessen, und die Fieber in ihm werden weichen“

Tatsache ist, dass Basilikumwein alten, verhärteten Schleim löst. Basilikum – getrocknet und gerebbelt – ist eben deswegen wichtiger Bestandteil vieler Hustenteemischungen.

Übrigens: Ein Topf Basilikum auf der Fensterbank oder dem Gartentisch macht diesen Raum für lästige Insekten aller Art ungemütlich. Das zerquetschte Kraut, direkt auf Insektenstiche oder Wunden aufgetragen lindert wie Spitzwegerich den Juckreiz und reduziert die Gefahr einer Entzündung.

Eine letzte Empfehlung meinerseits zu diesem Kraut: Ersetzen Sie im eingangs genannten deutsch-italienischen Nationalgericht die weiße, fade, nach nichts schmeckende Masse durch dünn aufgeschnittenen Limburger, Romadur, Backsteinkäse oder Weißlacker. Ihre Geschmacksnerven werden es Ihnen danken.

Gott befohlen und herzlichst Ihr Pater Gerhard

Salbei – das Kraut des Monats Juni

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Leuchtend blüht Salbei ganz vorn am Eingang des Gartens,

Süß von Geruch, voll wirkender Kräfte und heilsam zu trinken,

Manche Gebresten der Menschen zu heilen, erwies sie sich nützlich,

Ewig in grünender Jugend zu stehen hat sie sich verdienet …
(Walafrid Strabo, Hortulus)

Salbeiblätter – Eßbare Heilkraft, Stärkung unseres Immunsystems, frisch vom Strauch!

In Arabien gibt es ein altes Sprichwort: „Wie kann ein Mensch erkranken und sterben, in dessen Garten Salbei wächst?“ Die lapidare Antwort darauf lautet, überliefert von Konstantin von Salerno: „Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen“. Aber der Salbei wird uns helfen, auf daß wir „gesund sterben“. Das seit der Antike genutzte sonnenliebende Kraut wächst in jedem Garten, auf jeder Fensterbank, ist auch im Winter zu ernten. und pflegeleicht. Im sonnigen Süden Europas gedeihen sogar ganze Haine aus knorrigen „Salbeibäumen“, die um die Blütezeit herum einen berauschenden Duft verströmen.

Was hat es denn nun mit diesem „Wunderkraut“ auf sich?

Lange Zeit galt der Salbei, wie schon der Ursprung des Namens (lat. „salvare“, das heißt „heilen“ und lat. „salvere“, das bedeutet „gesund“) berichtet, als die Heilpflanze schlechthin. Nichtsdestotrotz ist bis heute der Ursprung, das Herkunftsgebiet des „echten“- oder „Garten-Salbeis“ unbekannt. Wahrscheinlich schon zur römischen Zeit gelangten die Pflanzen über die Alpen nach Mitteleuropa, wo sie in Kultur genommen und seit dem 6. Jahrhundert von Mönchen angebaut wurden. Seit der Zeit Karl des Großen durfte Salbei in keinem Kloster-garten fehlen.
Seine Bedeutung als Medizinalpflanze kann heute auf spezifische Bestandteile zurückgeführt werden. Vor allem das in den frischen Sprossen enthaltene ätherische Öl, aber auch Harze, Bitterstoffe und ein pflanzliches Östrogen bedingen die vielfältigen Wirkungen. Verbürgt sind die schweiß- und milchsekretionshemmenden wie auch die adstringierenden, entzündungshemmenden und desinfizierenden Eigenschaften der Blattdroge.

Die drei letztgenannten Eigenheiten stehen gemeinhin im Mittelpunkt der Nutzung in der Hausapotheke. So eignet sich Salbeitee hervorragend zur Behandlung von Zahnfleischbluten wie zum Gurgeln bei Halsentzündung, bei Schluckbeschwerden und zur allgemeinen Mundhygiene (frische Blätter als Ergänzung/Ersatz(?) für Zahnbürste & Co.)
Wöchentlich drei Salbeiblätter essen – damit erhöhen wir unsere Widerstandsfähigkeit gegen all die kleinen „Tierchen“, die Viren und Bakterien, die uns in der kalten Jahreszeit das Leben schwer machen.
Lauschen wir zum Abschluß den Ausführungen Hildegards von Bingen (Physica, Buch I, Cap. 63) „ … roh und gekocht ist er gut für jeden zu essen, den schädliche Säfte plagen … Nimm Salbei, pulverisiere ihn und esse ihn mit Brot, und er vermindert den Überfluß an schlechten Säften … Und wer Gestank und Schnupfen erleidet, der stecke Salbei in die Nase, und es nützt ihm … Und wer aus dem Mund stinkt, der trinke Salbeiwein … Wer aber Widerwillen gegen das Essen hat, der nehme Salbei und weniger Kerbel und zerstoße dies in Essig. So mache er eine Würze und er tauche die Speise, die er essen will, hinein und er hat Appetit zu essen – so Gott will.“
Die genannte Anwendung für die Nase ersetzt jedes Schnupfenspray. Der Wein schafft einen reinen Atem und das Gewürz hilft gegen „Schwindsucht“ – was wollen wir mehr?
Gott befohlen und herzlichst,
Ihr Pater Gerhard